Hurra, es gibt Geld: Nachhaltigkeitsprämie Wald

Unverhofft kommt manchmal oft: Die Bundesregierung stellt im Rahmen des Konjunkturpakets 500 Mio. Euro „für den Erhalt und die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder“ bereit. Mit der Prämie unterstützt die Bundesregierung sowohl kommunale als auch private Waldeigentümer, die sich mit einer aktiven, nachhaltigen und verantwortungsvollen Waldbewirtschaftung gegen den Klimawandel stemmen.

100-120 € Nachhaltigkeitsprämie je Hektar!

Voraussetzung Zertifizierung! Die Prämie ist faktisch nur an zwei Bedingungen geknüpft. Förderfähig ist die Waldfläche, für die Beiträge bei der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft (SVLFG) gezahlt werden. Weiterhin muss für die Waldflächen ein Nachhaltigkeitszertifikat nach PEFC, FSC oder ein vergleichbares Zertifikat vorliegen. Gelingt der Nachweis, werden folgende Prämien ausbezahlt:

  • 100 €/ha für PEFC-zertifizierte Waldflächen
  • 120 €/ha für FSC-zertifizierte Waldflächen

In Deutschland sind derzeit knapp 1,44 Mio. ha Waldfläche FSC-zertifiziert und weitere 8,16 Mio. ha PEFC-zertifiziert. Da i.w. nur Landesbetriebe und Kommunen FSC-zertifiziert sind, ist für den Privatwaldbesitzer in der Praxis fast ausschließlich die 100 €-Prämie für PEFC-zertifizierten Wald relevant.

Aber ich habe doch keinen zertifizierten Wald… Vielleicht doch. Und Sie wissen es nur nicht. Wer Mitglied in einem Waldbauverein (WBV) oder einer Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) ist, sollte schleunigst nachfragen, ob der WBV oder die FBG zertifiziert ist. Denn dann sind die Flächen aller Mitglieder automatisch mit zertifiziert.

Aber ich bin in keinem WBV oder keiner FBG… Dann wird es aber Zeit. Die Mitgliedbeiträge der jeweiligen regionalen FBG oder des WBV sind meist sehr moderat. Sie liegen definitiv unter der Prämie. Zudem sind oft andere Vorteile damit verbunden (z.B. oft die Mitgliedszeitschrift „der Waldbesitzer“, eine Waldbrandversicherung, günstigere Vermarktungskonditionen etc.)

Was benötigt man für die Antragsstellung?

Flächen bei FBG/WBV aktualisieren: Zunächst sollte man die Gelegenheit nutzen, die bei der FBG oder dem WBV gemeldeten Flächen zu aktualisieren. Das wird erfahrungsgemäß bei einem Verkauf, einer Erbschaft oder einem Kauf gerne vergessen.

Nachweise anfragen: Hat man die Flächen aktuell, bittet man WBV oder FBG um die folgenden drei Dokumente:

  • einen Nachweis der Mitgliedschaft inkl. Flächenangabe
  • Eine Kopie der PEFC-/FSC-Urkunde
  • Eine Kopie der PEFC-/FSC-Rechnung

Keine Sorge, viele der FBG/WBV haben die Urkunde und die Rechnung der Zertifizierung inzwischen schon online gestellt, so dass die Mitglieder diese schon bequem herunterladen können. Und der Nachweis der Mitgliedschaft inkl. Flächenangabe ist keine große Sache.

TIPP: treten Sie per Mail an Ihre FBG bzw. den WBV heran. Dann kann man Ihnen die Nachweise schnell, kostengünstig und bequem elektronisch bereitstellen.

Flächen bei der SVLFG kontrollieren: Förderfähig ist aus Sicht der Nachhaltigkeitsprämie nur die Waldfläche, für die Beiträge bei der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft (SVLFG) gezahlt werden. Als Nachweis gilt die letzte Abrechnung. Das ist eine gute Gelegenheit, die Flächenangabe bei der SVLFG zu überprüfen.

Stimmt die Flächenangabe bei der SVLFG? – Bild: Wald-Prinz.de

Wer seine Bedenken bei der dem SVLFG-Bescheid zugrunde liegenden Fläche hat, sollte einen Kontoauszug bei der SVLFG anfragen (Stichwort „Ermittlung der Unternehmensverhältnisse“). Hier kann so mache Überraschung erleben. Datenschutz sei Dank ist die SVLFG recht „blind“ unterwegs. Wer es versäumt hat, der SVLFG einen Flächgenzugang oder -abgang zu melden, muss sich nicht wundern, wenn die „Menge“ (SVLFG-deutsch für Fläche) nicht korrekt ist. Insbesondere wer zu wenig angegeben hat, sollte sich vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeitsprämie überlegen, ob er nicht eine Korrektur seiner Flächenangabe vornimmt. Von der Nachhaltigkeitsprämie für einen Hektar kann man den SVLFG-Beitrag für einen zusätzlich angegebenen Hektar mehrere Jahre bestreiten. Zudem gilt der Versicherungsschutz nur für die Flächen, die der SVLFG auch bekannt sind.

Online-Antrag unter Bundeswaldpraemie.de

Die Bundeswaldprämie, die sich an private und kommunale Waldbesitzer richtet, kann noch bis zum 31. Oktober 2021 online auf Bundeswaldpraemie.de bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) beantragt werden. Der Online-Antrag ist überschaubar aufwendig. Nach dem Ausfüllen bekommt man eine Bestätigungsmail inkl. einem Deckblatt zur Einreichung der Nachweise.

Nachweise nur offline einreichbar: Leider kann man die Unterlagen nicht hochladen. Soweit ist man bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) leider noch nicht. Man muss „lesbare Kopien (was denn sonst…) bitte ungeheftet bzw. ungeklammert ausschließlich schriftlich per Post zusammen mit dem Rücksendeformular innerhalb von 14 Tagen an die in der Bestätigung angegebene Adresse“ senden. Und eine Drohung hinterher: „Sollten die Kopien nicht innerhalb von 14 Tagen eingehen, so wird Ihr Antrag abgelehnt.“ Aber keine Bange, man kann den Antrag jederzeit neu einreichen.

Letzte Suchanfragen, die zu diesem Beitrag führten:

  • Nachhaltigkeitszertifikat für wald beantragen (1)