Naturverjüngung: Wald-Erneuerung zum Nulltarif

Im Gegensatz zu Anpflanzungen hat die sogenannte Naturverjüngung von Waldbeständen, bei der sich aus der selbstständigen Saat umstehender Bäume ein neuer Jungbestand entwickelt, massive ökologische und wirtschaftliche Vorteile. Allgemein unterscheidet man zwischen natürlichem Samenanflug (leichte Samen von Fichte, Kiefern, Lärche, Birke, Pappeln usw.) oder Samenaufschlag (schwere Samen von Buch, Eiche, Nuss etc.). Voraussetzung für die Natürverjüngung ist das Vorhandensein geeigneter Samenbäume.


 
Im Traditionellen naturnahen Waldbau wird ausschließlich ohne Pflanzung, sondern mit natürlicher Verjüngung gearbeitet. Auf gesunden Böden verjüngt sich der natürliche Mischwald an jeder offenen Bodenstelle, an der genügend Licht vorhanden ist. Auf schlechten Böden keimen Samen nur schwer oder überhaupt nicht an. Ein besseres Keimbett lässt sich u.U. durch Aufreißen des Bodens (Forstfräsen, Pflanzlochbohrer etc.) erreichen.

Kiefern-Naturverjüngung

Vorteile der Naturverjüngung

Keine Pflanz-/Saatkosten: Die Naturverjüngung erfolgt nahezu zum Nulltarif. Es fallen weder Kosten für das Pflanzmaterial, noch für die Pflanzung an. Allerdings sollte auch die Naturverjüngung gepflegt werden.

Kaum Störung im Ökosystem: Der Übergang vom alten zum jungen Bestand vollzieht sich im Idealfall allmählich und natürlich.

Kein Pflanzschock: Im Schutz der Altbäume wachsen die jungen Bäume sicher vor Frost und Sommerhitze heran. Anders als bei gepflanzten Jungbäume, bei denen es durch die veränderten Standortbedingungen zu Schwächephasen kommen kann, sind die Pflanzen der Natürverjüngung „seit Geburt“ mit dem Standort verbunden.

Optimale Standort-Anpassung: Wenn die einer Naturverjüngung vorangegangene Generation am gleichen Standort bereits erfolgreich wuchs, kann dies auch von den Nachkommen erwartet werden.

Gute Auslesemöglichkeiten: Eine stammreiche Verjüngung bietet eine sehr gute Auslesemöglichkeit. Die jungen Bäume wachsen feinastig und haben eine hohe Werterwartung.

Beschränkungen einer Naturverjüngung

Keine neuen Arten: Eine Naturverjüngung ist nur möglich, wenn die gewünschten, sinnvollen Baumarten im Altbestand vorhanden sind. Neue Baumarten, die vielleicht besser zu dem Standort passen, kann man mit einer Naturverjüngung nicht einbringen.

Längere Verjüngungszeiträume: Die meisten Baumarten bilden nicht jedes Jahr Samen aus. Da man die Fruchtbildung der Mütterbäume nicht beeinflussen kann, muss man mit längeren Zeiträumen rechnen.

Pflegeaufwand: Naturverjüngungen kommen meist ungleichmäßig und stellenweise sehr dicht auf. Um die Naturverjüngung zu begünstigen, ist das Freischneiden der stärksten Bäume notwendig.

Vorsichtige Bewirtschaftung: Damit bei der Ernte der Altbäume keine größeren Schäden an der Naturverjüngung verursacht werden, ist bei Holzerntemaßnahmen erhöhte Vorsicht geboten.

Verbiss: Hauptproblem für das Gedeihen einer Naturverjüngung sind in Deutschland die oft überhöhten Reh- und Rotwildbestände, derentwegen Schutzmaßnahmen wie z. B. die teure Anlage eines Wildschutzzauns nötig werden. Allerdings ist der Verbiss durch Wild kein spezielles Problem der Naturverjüngung.

Naturverjüngung „unter Schirm“

Bei einer Natürverjüngung unter dem Schirm des Altbestandes wird das Kronendach des Altbestandes gleichmäßig über die ganze Fläche verteilt mit mehreren, aufeinanderfolgenden Hiebsmaßnahmen allmählich aufgelockert. Durch die einheitlichen Keimbedingungen kommt meist eine flächige Naturverjüngung auf. Der Schirm des Altbestandes begünstigt Halbschattenbaumarten, wie Tanne oder Buche.


 
Da der Lichtbedarf des Jungwuchses mit zunehmendem Alter ansteigt, müssen laufend Altbäume entnommen werden. Bei zu viel Schatten bleibt besonders die Fichte in ihrem Wachstum stecken. Eine richtig durchgeführte laufende Verjüngung führt zu einem Dauerwaldbetrieb bei bester Zuwachsleistung ohne die Kosten einer Aufforstung.

Naturverjüngung auf Freiflächen

Nach einem Kahlschlag oder nach Sturmschäden können die freien Flächen durch den Samen einiger weniger stehen gelassener Samenbäume verjüngt werden. Diese sogenannten „Überhälter“ sollten möglichst gleichmäßig auf der Freifläche verteilt sein. Je Hektar reichen vier bis fünf erstklassige Überhälter aus. Es ist darauf zu achten, dass im Sinne möglichst guten Samenmaterials nur fehlerfreie Bäume mit gut entwickelten Kronen stehen gelassen werden. Nur diese eignen sich für die Nachzucht.

Die Naturverjüngung auf freien Flächen ist allerdings nur mit Lichtbaumarten wie Kiefer, Lärche oder Birke möglich. Schatt- oder Halbschattbäume vertragen die Standortbedingungen eines Kahlschlages nicht bzw. nur schwer.

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5 Kommentare

  1. Die beste Variante ist wahrscheinliche die Kombination aus Naturverjüngung und kontrollierter Aufforstung. So könnte nach einigen Jahren die entsprechende Fläche abgeschritten und ausgedünnt werden. So hat man nur wenig Arbeit und trotzdem ein gutes Nachkommen der Bäume.

  2. Bei einer Naturverjüngung besteht die Gefahr der Verunkrautung mit Dornen und Brennesseln. Diese müssen immer wieder entfernt werden sonst unterdrücken sie jede Baumart. Dadurch entsteht mehr Arbeit als bei einer planmäßigen Wiederaufforstung.

  3. Hallo Herr Scheve,

    da möchten wir Ihnen aus Erfahrung wiedersprechen. Gerade bei einer Naturverjüngung von z.B. Fichte stehen die Jungpflanzen dichter als bei gesetzten Pflanzen. Daher sind die Nachkommen eher in der Lage rivalisierende Pflanzen zu unterdrücken. Bei einer planmäßigen Pflanzung steht den nicht erwünschten Pflanzen ja noch deutlich mehr Platz/Licht zur Verfügung.

    LG – der Wald-Prinz

  4. Hallo Wald-Prinz,

    warum wird das Hauptproblem, nämlich die notwendige Eingatterung infolge des übermäßigen Wildbestandes nicht angesprochen??
    Warum wird großspurig eine nachhaltige Waldwirtschaft gewünscht, aber eine Eingatterung nur für Jungkulturen und nicht zum Schutz von Naturverjüngung gestattet??

  5. Hallo Herr Eickhoff,

    dass ein Wildzaun bei Naturverjüngung nicht erlaubt ist, wäre mir neu. Google hat diesen „amtlichen“ Artikel hervorgebracht. Dort findet sich dieser Satz: „Das Aufstellen eines Wildschutzzaunes spielt in mehrere Rechtsbereiche hinein: Das Zäunen von Forstkulturen entspricht zunächst einmal der waldgesetzlichen Verpflichtung, den Wald vor Schäden zu bewahren.
    Nach Naturschutzrecht dürfen Flächen in der freien Natur u.a. „zur Vermeidung von Schäden an Forstkulturen“ gesperrt werden. Und nach dem Baurecht sind diese Wildschutzzäune als offene, sockellose Einfriedungen im Außenbereich genehmigungsfrei, soweit sie dem Schutz von Forstkulturen dienen.“

    Solange ein Zaun Sinn macht, darf er stehen. Aber Einzelschutz ist bei kleineren Flächen in der Tat meist günstiger, als ein Zaun.

    LG – der Wald-Prinz

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