Rückegassen anlegen: Feinerschließung sichert bodenschonende Holzernte

Rückegassen für bodenschonende Waldbewirtschaftung unverzichtbar

Rückegassen dienen der sogenannten „Feinerschließung“ eines Waldstückes.  Sie ermöglichen eine bestandsschonende Waldbewirtschaftung und bodenschonendes Holzrücken durch Vermeidung flächenhafter Befahrung. Rückegassen werden grundsätzlich nicht befestigt.

Keine flächige Befahrung: Eine mehr oder minder planlose Befahrung des Waldbodens ist unbedingt zu vermeiden. Durch die Verdichtung des Waldbodens geht die Bodendurchlüftung verloren, die Wasserspeicherfähigkeit lässt nach und die Wurzeln werden unter dem Druck der Fahrzeuge nachhaltig geschädigt. Aber selbst, wenn der Holzeinschlag „motormanuell“ also durch eine Truppe Forstarbeiter mit Motorsägen erfolgt, müssen die schweren Stämme irgendwie aus dem Forst geschafft werden. Es ist utopisch zu denken, dass dies deutschlandweit schonend mit Hilfe von Rückepferden geschehen kann. Im Sinne einer wirtschaftlichen Durchforstung ist der Einsatz von Rückefahrzeugen (Forwarder, Rückezüge) nahezu unvermeidbar. Durch ein geordnetes System von Rückegassen ist eine Bewirtschaftung des Waldstückes vollständig möglich, ohne „querfeldein“ fahren zu müssen.

Rückegassen richtig anlegen

Das Gassensystem in einem Waldstück legt man für das gesamte Leben des Bestandes an, also für ein oder mehrere Jahrhunderte! Daher ist eine vorausschauende Planung notwendig.

Frühzeitig anlegen: Je später Rückegassen angelegt werden, desto riskanter wird dieser Eingriff. Wenn in einen dichten Fichtenbestand alle 20-30 Meter eine vier Meter breite Schneise eingeschlagen wird, reißt man das ehemals geschlossene Kronendach empfindlich auf. Schlagartig bieten sich dem Wind neue Angriffsflächen. Dieses Risiko kann man umgehen, indem man die Rückegassen möglichst frühzeitig anlegt, so dass der Bestand genug Zeit hat, sich nach diesem Eingriff zu stabilisieren. Im Idealfall werden bereits bei der Jungwuchspflege alle 10 Meter schmale Pflegelinien angelegt, von denen dann jede zweite später zur Rückegasse erweitert wird.

Optimale Breite: Eine Rückegasse sollte mindesten 3,50 m,  besser aber 4,00 m breit sein. Man tut sich keinen Gefallen, wenn man die Rückegasse zu schmal wählt. Die schweren Fahrzeuge fahren dann automatisch über die Wurzelteller der am Rand stehenden Bäume bzw. beschädigen beim Rücken der Stämme deren Rinden. Rückeschäden sind so vorprogrammiert.

Optimaler Gassenabstand: Rückegassen werden meist in einem Abstand von 20 m angelegt. Hintergrund: falls ein Vollernter/Harvester eingesetzt wird, besitzen diese einen zwischen 10-15 Meter langen Kranarm, an dessen Ende der Fällkopf (Prozessor) freibeweglich montiert ist. Ohne zu rangieren kann der Harvester also mindestens 10 m nach links und rechts in den Bestand hineingreifen und die Stämme und Abschnitte bestandsschonend herausheben. Je empfindlicher der Waldboden ist, desto weiter sollte der Gassenabstand gewählt werden, da man so mit weniger Gassen auskommt. Das Maximum beträgt 40 Meter. Aus ökonomischer Sicht sind enge Rückegassenabstände allerdings vorteilhafter als weite, da sie die Bestandsschäden minimieren und das Aufarbeiten von Schwachholz vereinfachen.

Keine Querneigung: Rückegassen sind immer so anzulegen, „wie das Wasser läuft“. Beim Befahren darf keinerlei Querneigung entstehen. Sobald eine Querneigung von 5% überschritten wird, nehmen die Rückeschäden stark zu und es besteht Kippgefahr für die Ernte- und Rückemaschinen. Nur zum Verständnis: eine Querneigung von 5% entspricht bei einer 3,50 m breiten Rückegasse gerade einmal 17,5 cm Höhenunterschied von einer zur anderen Kante!

Ein Forwarder (Rückezug) mit vier Achsen und Niederquerschnittreifen zur Bodenschonung – Bild: John Deere

Hingegen stellt die Längsneigung einer Rückegasse für die Allradfahrzeuge mit ihren großen Ballonreifen und z.T. Ketten meist kein Problem dar. Derzeit liegt die Grenze der Mechanisierung bei etwa 35% – 40%, max. 45% durchschnittlicher Hangneigung. Aus ökologischer Sicht ist eine Befahrung steiler Hänge allerdings eher kritisch zu betrachten. Jeder Starkregen führt zu Bodenerosion und lässt schnell Wasserrinnen entstehen, die quasi nie wieder zu beseitigen sind. Eine Rückegasse ist im Steilhang zwar weiterhin sinnvoll, allerdings sollten hier die Stämme mittels Seilwinde bis zum nächsten Rückeweg gezogen werden. Das ist deutlich bodenschonender.

Möglichst gradlinig: Beim Anlegen der Rückegassen in der Jugend eines Bestandes ist es schwer vorstellbar, dass aus den noch schwachen Bäumen einmal mächtige Stämme werden, die dann als Langholz aus dem Waldstück geschafft werden müssen. Daher sind enge Kurven im Verlauf einer Rückegasse ein „No Go“.

Klare Markierung: Sowohl der Einstieg in eine Rückegasse, als auch der Gassenverlauf wird üblicherweise durch zwei waagerechte Doppelstriche an beiden Gassenrändern zur Rückegassenmitte hin dauerhaft markiert. Beim nächsten Pflegedurchgang in einigen Jahren wieder benutzt werden müssen. Kann eine Rückegasse nicht vollständig durchfahren werden, z.B. aufgrund von Hindernissen oder einem Besitzartenwechsel, wird das Gassenende durch ein Sackgassenzeichen markiert und dort auf den stärksten Baum (im Bedarfsfall auch auf mehrere Bäume) aufgebracht.

Frisch angelegte Rückegasse mit Reisigmatte und in Sortimenten abgelegten Abschnitten – Bild: Wald-Prinz.de

Reisigmatten aus Kronenmaterial: Sowohl beim erstmaligen Anlegen der Rückegassen, als auch beim periodischen Durchforsten wird das Kronenmaterial der entnommenen Bäume üblicherweise auf den Rückegassen gesammelt. Diese „Reisigmatten“ sollen Bodenschäden auf der Rückegasse minimieren, indem sie als natürliches Polster fungieren und den Druck der Maschinen flächig abgeben. Die Reisigmatte ermöglicht so eine bleibende Durchwurzelung auf bzw. unter der Rückegasse. Das kommt der Stabilität des gesamten Bestandes zu Gute, da insbesondere die Randbäume entlang der Rückegasse dem Wind mehr ausgesetzt sind, als Bäume inmitten der verbliebenen Felder.

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