Wildkamera schießt Sensationsfotos: Steinadler schlägt Sikahirsch

Stellen Sie sich vor, Sie lesen gewohnheitsmäßig die SD-Karte Ihrer Wildkamera aus. Und quasi aus dem Nichts sehen Sie drei Bilder, die schlicht eine Sensation darstellen. So erging es Linda Kerley von der Zoological Socierty of London (ZSL).

Wildkameras im Forschungsprojekt „Sibirischer Tiger“

Linda Kerley hat ständig mehrere Wildkameras im Einsatz, mit deren Hilfe Sie eigentlich die gefährdeten sibirischen Tiger im Südosten von Russland überwacht. Als Sie gewohnheitsmäßig eine Wildkamera kontrollierte, bemerkte die erfahrene Zoologin gleich, dass etwas anders war als sonst: „Als ich mich der Wildkamera routinemäßig näherte um die SD-Karte und die Batterien zu tauschen, sah ich zuerst den Hirsch-Kadaver, aber irgendetwas fühlte sich komisch an. Da waren keine großen Wolfs-Spuren im Schnee. Und es sah so aus, als wäre der Hirsch erst gelaufen, um dann plötzlich zu stoppen und zu sterben.“

Als Kerley wieder zurück im Camp war und am Laptop die Bilder der Wildkamera auswertete, fügte sich das Puzzle zusammen – „Ich konnte nicht glauben, was ich da sah!“. Auf drei Fotos, die Wildkamera-typisch innerhalb von zwei Sekunden geschossen wurden, attakiert ein Steinadler einen jungen Sikahirsch.

Der Adler grub seine Krallen in den Rücken des jungen Tieres, das im Todeskampf versucht, durch den Schnee zu entkommen. Wie der Kadaver beweist, war der der Beutezug des riesigen Greifvogels offensichtlich erfolgreich.

Auch Jonathan Slaght von der Wildlife Conservation Society (WCS), kennt nur wenige Angriffe von Steinadlern auf Tiere, die schwerer sind als sie selbst. Zwar ist die wissenschaftliche Literatur voll von spektakulären Steinadler-Angriffen auf z.T. sehr große Beutetiere, bis hin zu einem 2003 dokumentierten Angriff auf ein Braunbär Junges. Aber ein Fotobeweis wie dieser ist als absolut spektakulär zu bezeichnen.

Bild: Zoological Society of London (ZSL)
Ein Steinadler greift einen Sikahirsch an – Bild: Zoological Society of London (ZSL)

Ein ausgewachsener weiblicher Steinadler erreicht eine Flügelspannweite von bis zu 2,30 Metern, Männchen immerhin noch bis zu 210 cm. Und auch wenn Sikahirsche deutlich kleiner als die in Deutschland heimischen Rothirsche sind, entspricht ihre Größe etwa der eines Damhirschs. Ausgewachsene Sikahirsche werden bis zu 80 kg schwer.

Zoological Society of London (ZSL)
Der riesige Steinadler krallt sich in den Rücken des Sikahirschs – Bild: Zoological Society of London (ZSL)

Die Forscher des ZSL untersuchen bereits seit sechs Jahren u.a. mit einer Vielzahl von Wildkameras das Leben des Amur Tigers im staatlichen Lazovskii Naturreservat. Der russische Lazovsky District trägt den Amur Tiger sogar in seinem Wappen. Gerade einmal rund 14.000 Bewohner leben in dem über 4.690 km² großen Küstengebiet am Japanischen Meer. Fast ein Viertel der Fläche werden von dem Reservat eingenommen.

Für gewöhnlich nehmen die Wildkameras die üblichen Beutetiere der Tiger und von Zeit zu Zeit auch einmal einen der sibirischen Tiger auf. Aber einen Steinadler, der Hirsche angreift ist den erfahrenen Forschern noch nie untergekommen. Dr. Kerley ist immer noch erstaunt über den Sensations-Schnappschuss ihrer Wildkamera: „Ich untersuche die Todesursachen von Wild in Russland bereits seit 18 Jahren – das ist das erste Mal, dass ich so etwas gesehen habe.“

In der Wildkamera-Szene ist Dr. Kerley keine Unbekannte. Ihre Wildkamera-Fotos der seltenen Amur Tiger gehen in Fachkreisen um die Welt.

Sibirischer Amur Tiger - Bild: Dr. Linda Kerley
Männlicher Sibirischer Amur Tiger – Bild: Dr. Linda Kerley

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