Harvester / Vollernter

Bildquelle: John Deere

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Harvester ist die englische Bezeichnung für forstwirtschaftliche Vollernter. Dabei handelt es sich um spezielle Holzernte-Maschinen, die halbautomatisch Fällung, Entastung und Sortimentsbildung durchführen. Werden gleichzeitig noch die Äste zu Hackschnitzeln zerkleinert, spricht man von einem Hackschnitzelharvester.

Bestandsschonend und wirtschaftlich

Ursprünglich wurden Holzvollernter in der Durchforstung schwacher Nadelholzbestände eingesetzt, mittlerweile aber auch in der Stammholzernte. Der Einsatzschwerpunkt von Holzvollerntern liegt im Nadelholz, speziell bei der Fichte. Laubholz wächst deutlich unregelmäßiger, daher ist die Entastungsqualität eher unbefriedigend.


 
Es gibt spezielle Ausführungen für den Einsatz in schwachem, mittlerem oder starkem Holz. Die stärksten Fällköpfe können Stämme bis 70 cm Brusthöhendurchmesser (BHD) bewältigen. Vollernter können zwischen fünf und dreißig Festmetern (fm) Holz in der Stunde aufarbeiten, was vor allem von der Stärke des geernteten Holzes abhängig ist. Mittlerweile werden 30 bis 40 Prozent der Holzernte mit Vollerntern bewältigt- mit stark steigender Tendenz. Vollernter verhindern das bei der Holzernte mit der Motorsäge sehr hohe Unfallrisiko und leisten einen Beitrag zur Verminderung von Berufskrankheiten. Der Einsatz der Vollernter führt zu einem Personalabbau bei den Forstbetrieben und zu einer veränderten Qualifikationsstruktur in der Waldarbeit. Beim Einsatz geschulter und erfahrener Maschinenführer ist der Einsatz äußerst bestandschonend, da durch die Maschine eine kontrollierte Fällung möglich wird, die bei motormanuellen Verfahren auch bei besten Bedingungen nicht zu erreichen ist.

Focus-TV Bericht über einen Valmet-Harvester im Einsatz in der Oberpfalz:

Komplexer Fällkopf

Die Maschinen besitzen meist einen zwischen zehn bis fünfzehn Meter langen Kranarm, an dessen Ende der Fällkopf (Prozessor) freibeweglich montiert ist. Der Fällkopf ist mit Vorschubrädern (-walzen), Messeinheit, hydraulisch angetriebener Kettensäge und Entastungsmessern ausgestattet. Statt einer Kettensäge ist in seltenen Fällen auch ein Kreissägenblatt verbaut.

Klimatisierte Kabinen

Manche Maschinen sind mit entsprechend der Steigung neigbaren Kabinen ausgerüstet, bei anderen kann die gesamte Maschine trotz Geländeneigung in die Horizontale gebracht werden. Eine Klimaanlage ist eingebaut, häufig auch eine automatische Vorheizung des Hydrauliköls und der Kabine vor Arbeitsbeginn.


 
Die Motorleistung gängiger Maschinen liegt bei ca. 300 PS. Die Kraftübertragung erfolgt ausschließlich hydraulisch, die Steuerung aller Funktionen elektrisch bzw. hydraulisch vorgesteuert. Die sehr umfangreichen Hydraulikanlagen sind in aller Regel mit biologisch abbaubaren Ölen befüllt und zusätzlich mit Einrichtungen ausgestattet, die den Austritt von Öl bei Leckagen (z.B. Schlauchbrüchen) verhindern. Schäden in den Waldbeständen treten in der Regel in Form von unterirdischen Wurzelzerreißungen als Folge von Scherkräften auf. An den Forstwegen entstehen bei Drehbewegungen Schäden an der Deckschicht.

Radharvester

Harvester mit einem Rad-Fahrwerk sind am meisten verbreitet. Sie besitzen zwei, drei oder vier Achsen. Die Hangneigung ist auf ca. 35 Prozent begrenzt. Rad-Holzvollernter nutzen Niederdruckreifen-Niederquerschnittsreifen bis 70 cm Reifenbreite zum bodenschonenden Einsatz, auf Nassböden bzw. im Winter bei Schneelage kommen zusätzlich Ketten bzw. Metallbänder zum Einsatz. Trotz dieser Ausstattung können auf weichen Böden unter ungünstigen Feuchteverhältnissen Boden- bzw. Wegeschäden verursacht werden.

Bagger-/Raupenharvester

Bagger- bzw. Raupenharvester haben auf jeder Seite ein Kettenlaufwerk. Sie besitzen überwiegend, speziell zur Seite abgeflachte Ketten mit abgerundeten Stegen, zur Verringerung von Boden- bzw. Bestandsschäden. Einsatzschwerpunkte des Bagger-Holzvollernters sind wegen des geringen Bodendrucks (Bodenverdichtung) einerseits Nassböden, andererseits Steilhänge bis ca. 60 Prozent, aufgrund ihrer gegenüber dem Rad-Holzvollernter besseren Steigfähigkeit. Allerdings hat man bei den Raupen bzw. Kettenantrieben den Nachteil, dass diese durch Stubben oder andere spitze Gegenstände beschädigt werden können. Beim Umsetzen des Bagger-Holzvollernters sind die geringe Laufwerksgeschwindigkeit (etwa 5 km/h) und die Gefahr von Schäden an Asphaltstraßen (Einsatz eines Tiefladers erforderlich!) von Nachteil. Die Maschinen sind rundum mit ca. 15 Halogenscheinwerfern ausgestattet, die es erlauben, auch nachts zu arbeiten.

Rad-/Schreit-Harvester

Schreitharvester sind für die Holzernte adaptierte Schreitbagger aus dem Baugewerbe, die ursprünglich zwei Räder und zwei Schreitpratzen hatten. Die neuen Modelle sind meist vierrädrig. Die Räder dienen der Fortbewegung im befahrbaren Gelände. Am Steilhang benützen sie zusätzlich dazu einen Schreitfuß, der am Kranende montiert ist (Menzi-Muck). Diese Geräte schaffen Durchforstungsarbeiten, die bisher nur manuell möglich waren. Bei normalen Bodenverhältnissen fährt der Schreit-Harvester auf seinen Rädern, bei unwegsamem Gelände weicht sie auf die Schreitbewegung aus. Steigungen von über 100% können überwunden werden.

Bordcomputer

Die Holzvollernter sind zwischenzeitlich mit GPS, mobiler Kommunikation und einem Bordcomputer, der die Holzhaushaltung und Sortenbildung unterstützt, ausgestattet. Die aufgearbeiteten Holzmassen können gespeichert und Holzlisten ausgedruckt werden. Die Genauigkeit der gemessenen Holzmassen ist in starken Maß vom verwendeten Sensorsystem, der gefällten Baumart, der richtigen Berücksichtigung des notwendigen Rindenabzugs und nicht zuletzt regelmäßiger, dokumentierter Kalibrierung abhängig. Messabweichungen gegenüber der Werksvermessung bzw. manuellen Holzaufnahme sind die Regel. Bei gut eingestellten Systemen liegen die Abweichungen bei akzeptablen 2 bis 4 % über dem Werkseingangsmaß, stärkere Abweichungen sind aber nicht selten. Aus diesem Grund ist neben der Ermittlung der Stückzahl auch eine Raummaßerfassung des eingeschlagenen Holzes an der Forststraße sinnvoll.

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