Erfahrungsbericht: mechanischer Fegeschutz für Douglasien

Fegender Rehbock

Und immer wieder Wildschäden… Dieses Mal hat es wieder eine unserer Douglasienpflanzungen erwischt. Nachdem wir den Verbiss durch Rehwild halbwegs im Griff haben (kurzes Einnebeln mit Forstmarkierungsfarbe), hat uns der Rehbock heimgesucht.

Jedes Jahr aufs Neue: Rehböcke fegen um den Bast vom Geweih zu entfernen. Das Geweih des Rehbocks wird jedes Jahr (!) zwischen Oktober und Dezember abgeworfen. Alte Böcke werfen früher ab, junge später. Das Rehgeweih wächst dann in der nahrungsknappen, klimatisch harten Winterzeit. Nach dem Abschluss der Mineraleinlagerung stirbt der Bast (stark durchblutete Schutzhaut) ab und wird etwa ab Mitte März gefegt. Leider fegen die Böcke aber auch im Sommer bis gegen Ende der Brunft. Der Bock markiert so mit den Duftstoffen seiner Hautdrüsen sein Revier.

Lärchen/Douglasien bevorzugt: Rehböcke wählen zum Fegen am liebsten schwache, niedrige Stämmchen. Sie wählen zum Schrecken der Waldbesitzer bevorzugt die selten im Revier vorkommenden Holzarten aus. Insbesondere werden Lärchen- oder Douglasienstämme von den Rehböcken geliebt. Offensichtlich übt das Harz eine besondere Anziehungskraft aus. Die Douglasie ist bis zu einem Alter von ca. 15 Jahren gefährdet.

Video: Rehbock fegt Ginsterstrauch

Das Ergebnis des Fegens kennt ein Waldbesitzer meist. Aber die wenigsten haben einen Rehbock beim Fegen schon einmal beobachtet. Wir waren selbst erstaunt, wie heftig ein Rehbock beim Fegen zu Werke geht. Kein Wunder, dass die Rinde von jungen Bäumen diese Prozedur nicht schadlos übersteht.

Todesurteil für Jungpflanzen: Während man bei Wildverbiss auf die nächste Wachstumsperiode hoffen kann, bedeutet das Fegen meist das Todesurteil für die jungen Pflanzen. Eine „ordentlich“ gefegte Douglasie kann den Rindenverlust nicht mehr kompensieren und stirbt ab. Waldbauliche Ziele lassen sich so nicht erreichen.

Diverse Fegeschutz-Produkte: Grundsätzlich muss man zwischen mechanischen und chemischen Fegeschutz-Mitteln unterscheiden. Da die chemischen periodisch erneuert werden müssen, (Beispiel Flügol weiß) haben wir uns nach einem wirksamen mechanischen Fegeschutz umgesehen. Hier stehen diverse Produkte zur Auswahl:

  • Fegeschutzklemmen: Klemme wird in ca. 30 cm Höhe auf den Spross geschoben und dahinter zusammengedrückt. Bei größeren Pflanzen zwei Fegeschutzklemmen auf 30 cm und 50 cm
  • Drahthosen: aus verzinktem Sechseckgeflecht (Kaninchendraht), verschiedene Durchmesser und Höhen, meist mit Haltestab, schützt auch gegen Verbiss
  • Spelsberg Stachelschützer: meist acht Stacheletagen, Querdrähte in allen Richtungen, in 1,00 m oder 1,20 m
  • Ohlsens Fegeschutz: Eisenstab mit angeschweißten Querdrähten, die um den Baum gebogen werden, in 1,00 m oder 1,20 m
  • Drahtspiralen: Einzelner Draht, der spiralförmig um den Stamm gelegt wird, rostet nach einigen Jahren weg
  • Fegeschutzspiralen/Lärchenspiralen: meist aus PET-Folie oder PVC-Recyclingmaterial, Spirale kann sich mit dem Baum weiten, schützt von 60 cm bis 180 cm (je nach Anzahl Spiralen/Baum)
  • Wuchshüllen: die viereckigen Kunststoffhüllen eignen sich allerdings nur für wertvolle Laubhölzer

Fegeschutz nach Ohlsen

Patentierter Fegeschutz: Der gute Herr Helmut Ohlsen hat sich seine Erfindung, den Fegeschutz in Form eines einstechbaren Eisenstabs mit angekrampten Querdrähten, bereits im Jahr 1950 patentieren lassen (DE 1614819 U). Nicht sein einziges Patent. Er hat sich z.B. auch ein Patent auf einen „Giftstoffe enthaltender Körper verschiedener Gestalt zur Vernichtung von Waldmäusen“ patentieren lassen. Tierische Nervensägen im Wald – nehmt Euch in Acht vor Herrn Ohlsen und seinen Erfindungen!

Praxistest: Fegeschutz für vierjährige Douglasien

Wir haben uns für die Variante „120 cm, extrastark (Stabstärke 4 mm, anstatt 3,2 mm) und 5 Drahtetagen“ entschieden. Wie man auf dem Foto unten sehen kann, ist das auf keinen Fall übertrieben. Die kürzere Variante mit lediglich 100 cm Stablänge und nur 4 Drahtetagen wäre für die schnell wachsende Douglasie sicher unterdimensioniert.

Schnell angebracht: Im Lieferzustand sind die Horizontaldrähte gerade. Sie müssen nach dem Einstecken des senkrechten Haltestabes von Hand zu einem kreisförmigen Schutz um die Pflanze gebogen werden. Das geht allerdings sehr schnell. Pro Pflanze ist mit einem Zeitaufwand von rund einer Minute zu rechnen. Wen man die Enden ein wenig gegeneinander verbiegt, haken sie sich gegenseitig ein. Die so umschlossene Pflanze erhält von dem Fegeschutz zusätzlichen Halt.

Fegeschutz Ohlsen - Bild: Wald-Prinz.de

Eine der wenigen gepflanzten Douglasien, die den Wilddruck überlebt haben, wurde zusätzlich zu dem Einnebeln mit Forstmarkierungsfarbe (tatsächlich wirksam gegen Verbiss!) mit dem „Fegeschutz Ohlsen“ gegen Fegen geschützt – Bild: Wald-Prinz.de

Schön ist anders: Wenn man nach getaner Arbeit auf sein Tagwerk schaut, wird man fast ein wenig wehmütig. Schön ist anders. Aber wenn man nicht Jahr für Jahr von ein und demselben Rehbock die Douglasienpflanzung dezimiert bekommen möchte, führt um diese Art von Einzelschutz wohl kein Weg vorbei.

Preis und Bezugsquellen

Wir haben uns nach einem schnellen Preisvergleich für die Firma Flügel GmbH als Lieferanten entschieden. Hier die Kosten für unsere Bestellung von 50 Stück der größten Variante (120 cm):

Bild: Wildkamera-Test

Unsere Erstbestellung von 50 Stachelbäumen kam von der Firma Flügel GmbH – Bild: Wildkamera-Test

Kosten/Baum: Da wir den Fegeschutz zunächst einmal mit nur 50 Exemplaren testen wollten, mussten wir den Kleinstmengenzuschlag in Höhe von 5,00 € schlucken. So kamen wir auf Kosten/Baum von 1,41 €. Bei einer Bestellung  von 100 Stück wären es nur noch 1,22 € gewesen, bei 200 Stück 1,19 €.

Bei Grube.de gibt es das gleich Produkt, hier allerdings unter dem Namen „PlantaGard Fegeschutz“. Mindestbestellmenge ist 100 Stück. Dann aber ist Grube günstiger. Inkl. Versand sind 109,50 € fällig. Macht also 1,10 €/Baum.

TIPP zum Schluss: Melden Sie Ihre Fegeschäden im Wald, so wie alle anderen Wildschäden, bitte an! Und nutzen Sie dann den Dialog mit dem zuständigen Jäger bzw. Jagdpächter. Denn vielen Jägern ist der Leidensdruck eines Waldbesitzers schlicht nicht bewusst. Erklärt man aber idealerweise bei einem Ortstermin, was diese Ausfälle an Ärger und auch an finanziellen Einbußen bedeuten, kann man zumindest auf Verständnis hoffen. In unserem Fall wurde die Entschädigung 1:1 in Schutzmaßnahmen reinvestiert. So hatte auch der Jagdpächter ein besseres Gefühl bei der Erstattung des Wildschadens.

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