Anbausägewerk: So wird die Motorsäge zum mobilen Sägewerk!

Der Sturm hat eine schön gerade gewachsene Eiche umgerissen. Verwendung für einen Satz Eichenbretter oder für ein paar dicke Eichenbohlen hätte man genug. Eine schön gemaserte Tischplatte für den Garten, das Törchen für den alten Brunnen – was könnte man alles mit dem tollen Holz anfangen. Aber wie soll der schwere Eichenstamm aus dem Wald kommen? Er liegt mitten im Stück an einer nur schlecht zugänglichen Stelle. Und Eiche ist schwer, ein Festmeter frischer Eiche wiegt in etwa 1.000 kg! Ein Eichenstamm von 2,5 m Länge und 50 cm Durchmesser kommt so auf fast 500 kg! Ohne Schlepper geht da nichts. Aber wenn man den Stamm direkt im Wald einsägen könnte…

Alaskan Mill: In Nordamerika und Kanada haben die Naturburschen für solche Fälle eine sog. „Alaskan Mill“ zur Hand. Eine Führungsschiene, die aus der bereits vorhandenen Motorsäge ein mobiles Sägewerk zaubert.

Nach ein wenig Internet-Recherche haben wir uns für einen Anbausatz für die Motorsäge entschieden. Unsere Wahl fiel auf das „Anbaumodul Sägewerk MS 261“ des deutschen Anbieters „Goodtool“ zum Preis von 239,00 €. Das Unternehmen ist im rheinland-pfälzischen Westerwald beheimatet, dort wo man etwas von Waldarbeit versteht. Das MS 261 ist übrigens tatsächlich vollständig „Made in Germany“.

Anbaumodul Sägewerk MS 261 - Bild: Goodtool

Anbaumodul Sägewerk MS 261 – Bild: Goodtool

Sägewerk per Post

Die Lieferung erfolgte fix. Und ja, wir wussten (Dank Tracking Code) das Paket kommt nicht per Spedition sondern per DHL. Dennoch waren wir überrascht, als das handliche 7,5 kg-Paket geliefert wurde. Das geringe Gewicht macht natürlich auch irgendwie Sinn, denn zusammen mit der ca. 5,0 Kg schweren Motorsäge muss das Gesamtkonstrukt noch handhabbar sein.

Ein Sägewerk im Karton? - Bild: Wald-Prinz.de

Ein Sägewerk im Karton? Das Anbaumodul MS 261 wiegt gerade einmal 7,5 kg und kommt per DHL-Paket – Bild: Wald-Prinz.de

IKEA lässt grüßen: Die Einzelteile  sind auffallend präzise gearbeitet. Hier merkt man das Herzblut, das in das Werkzeug geflossen ist. Der Zusammenbau selbst fällt gar nicht mal so leicht. Auf einmal weiß man die ansonsten viel gescholtenen IKEA-Anleitungen wieder zu schätzen. Die Bildchen in der Aufbauanleitung sind zu klein, als dass man Details erkennen könnte. Zudem hat sich zwischen der Drucklegung der Anleitung und dem aktuell verkauften Anbaumodul einiges geändert. So ist in der Anleitung z.B. von Alu-Rohrschellen die Rede, beigelegt sind aber Schellen aus Hartkunststoff (was wiederum dem Gewicht zugute kommt). Auch haben sich einige Schrauben geändert. Wo in der Anleitung eine Inbusschraube abgebildet ist, kommt nun eine reguläre Schraube mit Sechskantkopf zum Einsatz. Sehr hilfreich ist daher beim Zusammenbau die 3-D Visualisierung als YouTube-Video auf der Website von Goodtool. Hier erhält man im Vollbildmodus einen sehr guten Eindruck, wie alle Teile zusammenzubauen sind.

 

Hat ein bisschen was von IKEA - Bild: Wald-Prinz.de

Hat ein bisschen was von IKEA – Bild: Wald-Prinz.de

Letztendlich haben wir die Einzelteile doch noch sinnvoll zusammengefügt. Im Nachhinein ist wirklich bemerkenswert, wie wertig alle Komponenten wirken und wie alles auf den Hundertstel Millimeter exakt passt.

Werkzeug mitnehmen! Ein wenig besorgt waren wir zunächst, dass man beim Zusammenbau zwei verschiedene Inbus-Schlüssel, zwei 10er-Ringschlüssel und einen 13er-Ringschlüssel benötigt. Vor Ort wird dann auch noch ein Akkuschrauber zum Fixieren der Winkel für den ersten Schnitt benötigt. Wenn man im Wald steht und hat eines der Werkzeuge zu Hause vergessen – Pech gehabt. Entlastend zu sagen ist, dass zumindest die Inbusschlüssel zu Hause bleiben können, wenn man das mobile Sägewerk einmal auf die eigene Motorsäge eingestellt hat. Besitzt man zwei Motorsägen, kann man zudem die stärkere bereits fest mit dem MS 261 verbinden. Dann ist vor Ort grundsätzlich nur noch der 13er-Ringschlüssel, besser noch eine Ratsche mit 13er Nuss notwendig, um die jeweils gewünschte Höhe des zu sägenden Brettes oder die Bohlendicke einzustellen.

Mobiles Sägewerk MS 261 fertig zusammengebaut; die zwei Winkel im Vordergrund sind als Hilfe für den "ersten Schnitt" gedacht - Bild: Wald-Prinz.de

Mobiles Sägewerk MS 261 fertig zusammengebaut; die zwei Winkel im Vordergrund sind als Hilfe für den „ersten Schnitt“ gedacht – Bild: Wald-Prinz.de

Der erste Schnitt ist entscheidend

Wie bereits Rod Steward sang: „The first cut is the deepest“. Bei der MS 261 ist der erste Schnitt vielleicht nicht gerade der Tiefste, aber definitiv der Wichtigste. Folgendes ist zu beachten:

  • Bei guter Führung ist man schneller wieder zuhause! Ohne eine gute Führung kann es nichts werden. Ist der erste Schnitt nicht präzise gerade bzw. eben, werden alle nachfolgenden Schnitte die gleiche Wellenlinie aufweisen. Stichwort „Parallelverschiebung“
  • Stamm fixieren: der einzusägende Stamm sollte so fixiert werden, dass er auch bei Krafteinwirkung nicht anfängt, „durch die Gegend zu rollen“
  • Maserung beachten: Das Reizvolle an einer selbst geschnittenen Bohle ist nicht zuletzt die Maserung. Daher sollte man den Stamm so legen, dass sich eine schöne Maserung ergibt.
  • Nicht zu sparsam sein! Der erste Schnitt sollte so tief gewählt werden, dass der zweite Schnitt ein brauchbares Brett ergibt. Dazu muss die Wunschbreite des Brettes auf der gesamten Schnittlänge gegeben sein. Mit ein bisschen „Rinde abkratzen“ ist es da nicht getan

Hilfswinkel für den ersten Schnitt: Dem MSW 261 liegen für den ersten Schnitt zwei Hilfswinkel bei. Mit deren Hilfe verbindet man den Stamm mit einem solides Führungsbrett. Dazu werden die Winkel genau in der Länge des Stammes mit ein paar SPAX-Schrauben auf der Unterseite des Führungsbretts fixiert. Achtung: den Winkel nicht am Ende des Brettes festschrauben, sondern  mindestens 30-40 cm Überstand lassen, damit das Anbausägewerk bis zum Schluss des Schnittes Führung hat.

Eine offensichtlich sehr gut funktionierende Lösung haben wir auf YouTube gefunden. Der User „Off Grid Warrior“ zeigt in seinem 23:59 Minuten langen Video, wie es gemacht wird. Er hat eine Führungsbohle mit zwei weiteren Leisten zu einem stabilen Konstrukt verschraubt, das mit ein paar SPAX-Schrauben perfekt auf dem Stamm aufliegt und so eine hervorragende Führung bietet.

Alaskan Mill

Eine sehr schöne Lösung für den ersten Schnitt haben wir auf YouTube gefunden: Auf eine Bohle wurden zur Stabilisierung links und rechts zwei Leisten geschraubt. Das gesamte Konstrukt wird dann mit wenigen Schrauben auf den Stamm geschraubt und liefert so eine perfekte Führung für den ersten Schnitt. – Screenshot aus dem YouTube-Video von „Off Grid Warrior“

Alternative Aluleiter: In vielen YouTube-Videos sieht man den Einsatz einer Aluleiter als Lehre. Der Vorteil liegt auf der Hand: Eine Aluleiter ist hinreichend stabil und dennoch leicht zu transportieren. Etwas problematisch ist die Fixierung auf dem Stamm. Entweder man opfert eine Leiter nur für diesen einen Zweck und bohrt mit ein paar Schrauben durch die Sprossen in den Stamm hinein (Unebenheiten mit Keilen unterfüttern). Oder man arbeitet mit Schellen oder auch Blechlochstreifen, um die Leiter zu fixieren. In dem Screenshot unten sieht man den Einsatz dieser Lochstreifen und auch der Fällkeile. Achtung: nur die Fällkeile führen dazu, dass die Leiter nicht auf dem Stamm kippelt.

Screenshot hrz4x4

Viele Screenshot aus dem YouTube-Video von „hrz4x4“

Spanngurte erfüllen auch ihren Zweck, die Leiter zu fixieren. Aber sie müssen jeweils rechtzeitig umgesetzt werden, bevor die Säge kommt. Etwas mühsam.

Starke Säge, scharfe Kette und dann Geduld..

Kompatibel zu allen Motorsägen: da das Anbausägewerk lediglich das Sägeketten-Schwert einklemmt, ist es grundsätzlich egal, welche Motorsäge man verwendet. Man muss allerdings unbedingt darauf achten, dass man weder den Ausgang des Auspuffs blockiert (Überhitzungsgefahr!), noch den Umlenkstern an der Spitze des Schwerts einklemmt. Erst wenn das Schwert ordentlich und mittig fixiert ist, zieht man alle anderen Schrauben fest an. Nun noch einmal kontrollieren, ob die Schneidkette frei läuft und alle Schraubverbindungen wirklich fest sind. Das Verkanten der Schelle und des Führungsrohres ist unbedingt zu vermeiden!

Motorsäge wird Höchstleistung abverlangt: Eigentlich ist Ihre Motorsäge lange Vollgasfahrten nicht gewöhnt. Umso wichtiger ist es, dass die Sägekette tiptop scharf ist. Man tut sich selbst wirklich keinen Gefallen, wenn man die Schneiddauer unnötig verdoppelt und verdreifacht, nur weil die Kette nicht richtig scharf ist. Wenn man also nicht gerade ein Schärfprofi ist, ruhig eine fabrikneue Kette montieren.

Geduld gefragt: Aber auch wenn alles passt, dauert der Sägevorgang seine Zeit. Bei Hartholz wie z.B. Eiche dauert ein einziger Schnitt bei einem 2,50 m Stamm gerne ca. 4-5 Minuten.

Sägeschnitt offen halten: Damit beim Sägen das Schwert nicht eingeklemmt wird, muss der Schnitt offen gehalten werden. Je dicker das zu sägende Brett ist, desto größer ist dessen Eigengewicht, desto eher neigt das Brett dazu die Säge einzuklemmen. Um den Schnitt offen zu halten eignen sich kleine Latten (Stück Fußleiste o.ä.), Fällkeile, der Zündkerzenschlüssel der Motorsäge, größere Schraubenzieher etc.

Holzbretter in Ruhe trocknen lassen

Wenn man soviel Energie und Sorgfalt in die Erstellung eigener Bretter und Bohlen gesteckt hat, sollte man es nicht auf den letzten Metern ruinieren. Grundsätzlich gilt, dass feuchtes Holz, beispielsweise frisch gesägtes Holz oder Stammabschnitte, im Freien gelagert werden sollten. Die gesägten Bretter sollten in Ruhe an einem luftigen Ort trocknen.

Stapelleisten verwenden! Die Bretter bzw. Bohlen sollten auf einem soliden und vor allem absolut planen Unterbau (Betonpflaster, Lagerhölzer) aufgesetzt werden, damit das Holz einerseits von unten gut belüftet wird und andererseits sich beim Trocknen nicht verzieht. Die einzelnen Bretter dürfen auf keinen Fall direkt aufeinander gesetzt werden. Stapelleisten sorgen zwischen den einzelnen Lagen für eine gute Durchlüftung. Auch hier ist darauf zu achten, dass die Stapelleisten immer genau übereinander liegen, damit das Holz keinen Spannungen ausgesetzt wird. Zum Schluss sollte ein Abschluss-Brett den Stapel von oben gegen Sonne und Regen schützen. Überhaupt sollte bei Lagerung im Freien der Holzstapel weder in der prallen Sonne, noch an einer schattigen feuchten Stelle positioniert sein. Holz soll langsam und möglichst gleichmäßig trocknen, denn sonst entstehen Trocknungsrisse. Bei schweren Harthölzern wie z.B. Eiche empfiehlt sich ein Schutz gegen zu schnelles Austrocknen für die sog. Hirnenden indem man die Stirnseiten der Bretter/Bohlen z.B. mit Bienenwachs einstreicht.

Bezugsquelle Anbausägewerk

Für ein gut gearbeitetes Anbausägewerk kann man gerne auch einmal 350,00  € ausgeben (z.B. hier). Wir haben unser Anbausägewerk, das „Anbaumodul MS 261“ direkt über die Homepage des Herstellers Goodtool bezogen. Unser Preis lag bei 239,00 € (inkl. Versand!). Das Schutzblech für die Schienenspitze ist im Paket enthalten (kostet sonst auch noch einmal extra).

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