Auszeichnen/Auszeige von Waldbeständen

Eine sehr wichtige Aufgabe bei der Pflege und Erziehung des Waldbestandes ist das „Auszeichnen“ bzw. die „Auszeige“. Mit auszeichnen (im süddeutschen/österreichischen Raum wird von „auszeigen“ gesprochen) der Bestände ist die Markierung von Bäumen gemeint.

Negatives vs. Positives Auszeichnen

Negatives Auszeichen: Beim negativen Auszeichnen werden alle Bäume markiert, die im Rahmen einer Durchforstungsmaßnahme entnommen werden sollen. Hierzu zählen auch die Bäume die entfernt werden, um Rückegassen anzulegen.

Positives Auszeichnen: Daspositive Auszeichnen kennzeichnet die sogenannten „Zukunftsbäume“ oder „Z-Bäume“ . Insbesondere moderne Produktionsmodelle, bei denen das Baumwachstum zielgerichtet gelenkt wird, erfordern die dauerhafte (!) Markierung der Zukunftsbäume bereits in jungen Jahren. Die Z-Bäume liegen qualitativ und vom Holzzuwachs her über dem Durchschnitt und werden durch die Entnahme von bedrängenden Bäumen im Kronenraum gefördert.

Nummerierungen: Wenn man an einzelnen Bäumen Nummerierungen sieht, sind diese Markierungen eher dauerhafter Art. Für die Führung eines Baumkatasters werden Bäume z.B. mit Zahlen versehen (z.B. Naturschutz-Bäume). Diese Bäume bleiben bei einer Hiebsmaßnahme natürlich verschont. Die Zahlen werden entweder mit kleinen Marken auf den Baum genagelt oder provisorisch aufgesprüht.

Warum auszeichnen?

Die zunehmend hochmechanisierte Holzernte mit Hilfe von Harvestern erfordert ein hohes Maß an Arbeitsvorbereitung und Arbeitsorganisation. Entscheidend ist eine professionelle Vorbereitung des Bestandes: Die Bäume sollten ausgezeigt und die Rückegassen markiert sein. Bei Durchforstungen sollte grundsätzlich ausgezeichnet werden, speziell dann, wenn es sich um eine diffizile waldbauliche Maßnahme handelt wie beispielsweise eine Hochdurchforstung mit Z-Bäumen. Das Auszeichnen bestimmt besonders in jungen Waldbeständen die zukünftige Entwicklung und damit die Wertschöpfungschancen bzw. Risikoanfälligkeit.

Wann auszeichnen?

Das negative Auszeichnen des Waldbestandes erfolgt in der Regel in einem Zeitraum von einigen Tagen bis wenigen Monaten vor der Erntemaßnahme. Mit der positiven Auszeichnung der Z-Bäume sollte bei Nadelbäumen begonnen werden, wenn die grüne Krone des Bestandes weniger als 50 Prozent der Baumlänge beträgt. Beim Laubholz kommt es dagegen auf die Länge des astfreien Schaftes an. Ist diese erreicht, sollte die Z-Baumauswahl erfolgen.

Wie auszeichnen?

Markierungen, egal welcher Art und Farbe sind nicht einheitlich geregelt. Sie können von Bundesland zu Bundesland, selbst von Revier zu Revier unterschiedlich sein. Wenn Bäume für einen Hieb ausgezeichnet werden, genügt ein farbiger Strich. Die zu entnehmenden Bäume werden aber üblicherweise in Augenhöhe mit Leuchtspray in Form eines 30 bis 40 cm langen Striches schräg über den Baum markiert. Dieses Zeichen kann der Fahrer rasch erkennen und seinen Arbeitseingriff gezielt und schonend ausführen. Bäume, die im mittleren Bereich zwischen zwei Harvestergassen stehen, sind beidseitig zu kennzeichnen, damit sie in jedem Fall vom Harvester-Fahrer erkannt werden können.
Anzeichnen
1= zu entnehmender Baum
2 = Gassenbaumentnahme
3 = Richtungspfeil
4 = Einfahrt Rückeweg (hier rechts von diesem Baum)

Die Forstmarkierfarbe ist in verschiedenen Neon-Farbtönen erhältlich. Bei dem Spray ist auf Frostsicherheit, Haftung auch auf feuchtem Holz sowie eine blendende Leuchtkraft zu achten. Umweltfreundlichkeit und lange Haftung sind ebenfalls wichtig. Spezielle Schreibsprühköpfe ermöglichen sowohl flächiges Sprühen als auch eine punktgenaue Holzpolterbeschriftung.

Die positive Auszeichnung der Z-Bäume erfolgt am besten mit einem hellen/weißen elastischen und UV-beständigen Kunststoff-Band (PE), das rund um den Stamm läuft. Alternativ erhält der Z-Baum mit der Spraydose zu jeder Seite hin einen gut sichtbaren Punkt.

Z-Baum Markierung mit weißem Kunststoffband und Farbpunkt - Bild: Wald-Prinz

Z-Baum Markierung mit weißem Kunststoffband und Farbpunkt – Bild: Wald-Prinz

Grenzmarkierung inkl. Flur und Flurstücks-Nr. – Bild: Wald-Prinz

Markierung der Grenzen

Beim Auszeichnen von Waldstücken werden nicht nur zu entnehmende Bäume und Rückegassen markiert. Seinen besonderen Augenmerk wird der auszeichnende Förster auch auf den Grenzverlauf des Waldstücks legen. Die Durchforstungsmaßnahmen werden oft von ortsfremden Mitarbeitern von Einschlagunternehmen durchgeführt. Damit es nicht zu einer Verwechslung kommt, markieren viele Förster nicht nur die Grenzsteine bzw. Grenzbäume, sie zeigen über Pfeile auch an, in welche Richtung die Grenzen weggehen. Besonders eindeutig wird die Situation, wenn auch noch die Flurnummer sowie die Flurstücksnummer markiert wird. Im Beispiel auf dem nebenstehenden Foto handelt es sich um die Flur 27 und das Flurstück 85.

Was kostet Auszeichnen?

Führt die Auszeichung ein Mitarbeiter des Forstamtes durch, erfolgt die Berechnung der Auszeichnungskosten gemäß dem jeweiligen Gebührenverzeichnis. On Rheinland-Pfalz ist dies z.B. die Landesverordnung über die Gebühren der Landesforstverwaltung (Besonderes Gebührenverzeichnis). Unter dem Punkt 4.2.1 „Auszeichnen von Waldbeständen“ wird eine Gebühr von 23,10 bis 55,65 Euro je angefangenem Hektar angegeben.

Wer zeichnet aus?

Selbst wenn nur wipfelbrüchige, geschälte oder sonstige beschädigte Bäume entnommen werden, empfiehlt sich Auszeichnen. Diese Art des Auszeichnen bedarf allerdings keiner besonderen forstlichen Ausbildung und kann vom Waldbesitzer selbst durchgeführt werden.

Handelt es sich aber um eine fachlich anspruchsvolle waldbauliche Maßnahme, wie zum Beispiel eine Auslesedurchforstung, sollte die Auszeige durch einen Fachmann, am besten ein Förster, erfolgen. das Auszeichnen erfordert in diesem Fall ein hohes Maß an Wissen und Erfahrung. Die Tätigkeit ist eine komplexe Optimierungsaufgabe. Anzeichnen erfordert Kenntnisse über den Standort, die Standorts-Ansprüche der Baumarten, über deren Wachstumsgang, Wuchsrelation und Konkurrenzverhalten. Der Auszeichnende gestaltet die Waldbestände und muss über die holztechnologischen Eigenschaften, Verwendungsmöglichkeiten, Astreinigung der bestandesbildenden Baumarten Bescheid wissen.

Insbesondere wenn ein Harvester zum Einsatz kommen soll, ist zum Auszeichnen der Gassen Erfahrung bei Harvestereinsätzen erforderlich. Der Harvester muss von der Forststraße aus gut in die Gasse einfahren und die Gasse befahren können.

Kann der Harvester-Fahrer diese Arbeit nicht mit übernehmen?

Der Fortschritt in der Harvester-Technologie erfordert die Bedienung komplexer und leistungsfähiger Maschinen und stellt enorme Ansprüche an den Harvester-Fahrer. Wenn der Fahrer, während er den Kranarm samt Fällkopf bedient und durch den Bestand fährt, auch noch die Auswahl der zu entnehmenden Bäume bewältigen soll, leidet das Gesamtergebnis. Zudem sind von der Fahrerkabine aus nicht alle Bereiche eines Baumes einsehbar. Der Fahrer kann weder den Schälschaden auf der Rückseite des Stammes sehen, noch den durch Schneebruch abgebrochenen Wipfel. Der Fahrer soll sich auf die Holzernte, die Sicherheit und die Schonung von Boden und Bestand konzentrieren und nicht auf die Auszeige, alles zugleich geht nicht. Gerade von Harvester-Unternehmern ist oft zu hören, dass sie sich viel Arbeit ersparen würden und schneller, günstiger und besser arbeiten können, wenn nur sorgfältig ausgezeichnet wäre.

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