Waldbesitzer: Wem gehört der Wald?
Inhaltsübersicht:
Waldbesitzer in Deutschland
Deutschland ist zu fast einem Drittel bewaldet. Rund 11,1 Millionen Hektar groß ist die Fläche, die in Deutschland von Wald bedeckt wird. Aber wem gehört dieser Wald? Wer ist der größte deutsche Waldbesitzer? Die zweite Bundeswaldinventur – kurz BWI2 – gibt die Antwort. Die BWI2 wurde vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in den Jahren 2001 und 2002 erhoben und bis 2004 geprüft und ausgewertet. Unterschieden werden die folgenden Waldbesitzer:
- Privatwald – Befindet sich Wald nicht im Eigentum von Städten, Gemeinden, Kirchen oder in der Hand des Staates, spricht man von Privatwald. Es handelt sich also um Wald im Eigentum von natürlichen oder juristischen Personen oder auch Personengesellschaften.
- Körperschaftswald – gemäß § 3 Absatz 3 Bundeswaldgesetz handelt es sich hierbei um Wald im Alleineigentum von Körperschaften des öffentlichen Rechts wie Gemeinden und Städten (dann auch als Kommunalwald, Stadtwald oder Gemeindewald bezeichnet) oder auch Universitäten (dann oft Universitätsforst genannt). Wald im Eigentum von Kirchen gehört nach Bundesrahmenrecht nicht zum Körperschaftswald, kann aber durch Landesrecht zu solchem bestimmt werden.
- Staatswald (Land) – In Deutschland wird der Begriff Staatswald zumeist gleichbedeutend mit Landesforst verstanden, dem Wald im Eigentum eines Bundeslandes.
- Staatswald (Bund) – Als Staatsforst oder Staatswald (Bund) werden Wälder im staatlichen Eigentum bezeichnet. Der Wald im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland wird, obgleich auch Staatsforst, zumeist als Bundesforst bezeichnet. Der Bundeswald befindet sich vor allem auf militärisch genutzten Flächen (z.B. Truppenübungsgelände) und entlang von Bundeswasserstraßen und Autobahnen.
- Treuhandwald – Im Zuge der Bodenreform in der DDR enteigneter und in Volkseigentum überführter Wald wurde der Treuhand übergeben. Ziel ist es, diesen Wald zu privatisieren. Dieses geschieht durch die bundeseigene Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG).
Der größte deutsche Waldbesitzer? Das Land Bayern!
Das Land Bayern, oder korrekt der “Freistaat Bayern” ist mit ca. 770.000 ha der größte einzelne Waldbesitzer Deutschlands. Dabei ist der Anteil des Landeswaldes an der gesamten bayerischen Waldfläche mit 30,1% noch nicht einmal besonders hoch, sondern liegt recht nah am bundesdeutschen Durchschnitt (29,6%). Aber mit 2,56 Mio. ha ist Bayern einfach das mit Abstand größte Waldland Deutschlands. Fast ein Viertel (23,1%) des bundesdeutschen Waldes ist bayrisch.
Die Bedeutung des bayrischen Waldes wird deutlich, wenn man den Privatwald betrachtet. Bayrische Privatwald-Besitzer bewirtschaften absolut gesehen mehr Wald, als Baden-Württemberg insgesamt hat!

Grafik: Wald-Prinz.de
Privatwald: NRW prozentual vorne
Prozentual gesehen, sind die Privatwaldbesitzer besonders stark in Nordrhein-Westfalen präsent. Über 2/3 der Waldfläche in NRW (insgesamt 887.550 ha) liegt in der Hand von privaten Waldbesitzern. Damit ist NRW beim Privatwald prozentual gesehen einsame Spitze!

Grafik: Wald-Prinz.de
Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern: Die 534.962 ha des Mecklenburg-Vorpommernschen Waldes sind zu weniger als einem Viertel in Privatbesitz. Dagegen besitzen Bund (10,0%) und Land (40,8%) über die Hälfte des Waldes. Und auch beim Treuhandwald ist im Nordosten der Bundesrepublik beinahe Spitze: Der Treuhand-Anteil von 15,2% wird nur noch von Sachsen-Anhalt (15,8%) übertroffen. Allerdings ist hier zu berücksichtigen, dass die letzten zur Verfügung stehenden Zahlen vor 7-8 Jahren erhoben worden sind. Die Situation dürfte sich inzwischen deutlich in Richtung Privatwald verschoben haben.
Die größten Privatwaldbesitzer
Die größten deutschen Privateigner von Wald sind allesamt Adelsfamilien:
- Thurn und Taxis (Regensburg) – verfügt mit ca. 28.000 ha über den größten Privatwaldbesitz in Deutschland
- Heinrich Fürst zu Fürstenberg – sein Waldbesitz umfasst in Deutschland ca. 19.000 ha. Er besitzt darüber hinaus Wälder in Kanada und Österreich.
- Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern – Die Forstbetriebsfläche beträgt rund 14.600 ha; davon entfallen 12.300 ha auf das Bundesland Baden-Württemberg und 2.300 ha auf Bayern.
- Riedesel Freiherren zu Eisenbach – Die Waldgesellschaft der Riedesel Freiherren zu Eisenbach GbR ist ein forstlicher Zusammenschluss von 18 Gesellschaftern mit einer Betriebsfläche von ca. 14.000 ha Privatwald in Hessen.
- Sayn-Wittgenstein-Hohenstein -Wie viele andere Großprivatwaldeigentümer teilte Fürst August zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein seinen ursprünglich 13.000 ha umfassenden Forstbesitz südlich des westfälischen Sauerlandes aus Sorge vor einer drohenden Bodenreform nach dem letzten Weltkrieg in rund ein Dutzend Waldgüter auf. Anschließend verbanden sich die mitunter nur weitläufig verwandten Erben des Fürsten in einer BGB-Gesellschaft, die den gesamten Wittgenstein’schen Wald bis zum Ende der 80er Jahre eigentumsübergreifend bewirtschaftete. Derzeit bewirtschaftet die sog. Rentkammer Wittgenstein ca. 7.800 ha Wald im Eigentum der Gesellschafter und ca. 1.100 ha im Eigentum von Dritten.
- Waldburg-Wolfegg - ca. 7.000 ha
- Fürstlich Löwenstein-Wertheim-Freudenberg’sche Verwaltung: 4.448 ha
Mit der Lignis GmbH & Co. KG baute der Erbprinz zu Fürstenberg ein Unternehmen zur Holzvermarktung auf, an dem er viele namhafte Fürstenhäuser beteiligte: Waldburg-Wolfegg, Leiningen, Löwenstein-Wertheim-Rosenberg und Sayn-Wittgenstein-Hohenstein – zusammen 52 000 Hektar Wald.

