Wildacker zur Verminderung von Wildschäden

Wildschäden mindern

Wildschäden sind ein ewiger Zankapfel zwischen Waldbesitzern und Jagdpächtern bzw. Jagdgenossenschaften. Wild benötigt neben Ruhe ganzjährig genügend Nahrung. Wird das Wild permanent gestört bzw. ist jahreszeitenbedingt das Nahrungsangebot einseitig oder sogar knapp, müssen die Bäume „dran glauben“. Schäl- und Verbissschäden sind die Folge. Ganze Waldstücke können so nachhaltig geschädigt werden, die Wertminderung ist erheblich. Neben Schutzvorrichtungen wie Wildzäunen oder Einzelschutzmaßnahmen (Netzhüllen, Schälschutznetze, Vergrämungsmittel, etc.) kann die Einrichtung von Wildäckern den Wilddruck im Wald senken. Das über das Saatgut bzw. die Wildackermischung intelligent abgestimmte Pflanzenangebot erweitert das Äsungsangebot des Wildes und bietet Schutz für eine entspannte Nahrungsaufnahme.

Idealer Wildacker-Standort

Der Standort eines Wildackers sollte den Lebensgewohnheiten des heimischen Wildes entgegenkommen. Man unterscheidet

  • Wildäcker im Wald: idealerweise in sonniger, ruhiger und ungestörter Lage nahe dem Gebiet, in denen das Wild seinen Einstand hat. Auch Waldschneisen und Rückegassen können bei entsprechendem Lichteinfall als Wildacker angelegt werden. Für diese Flächen empfehlen sich dann spezielle Wildackermischungen mit besonders strapazierfähigen Gräsern und Kleearten.
  • Wildäcker in der Feldflur:  Meist auf Stilllegungsflächen, auf Waldrandstreifen, auf unrentablen Ackerflächen oder zwischen Feldholzinseln; grundsätzlich in Bereichen, die vom Menschen selten aufgesucht werden.
Foto: Wald-Prinz

Frisch angelegter Wildacker am Waldrandstreifen. Der Wald bietet von zwei Seiten Schutz und Zuflucht, der Wildacker liegt den ganzen Tag in der Sonne – Foto: Wald-Prinz

Optimale Größe und Lage: Die Fläche eines Wildackers darf nicht zu klein gewählt werden. Optimal sind 0,2-0,3 Hektar. Die Äsungsfläche sollte jedoch mindestens 20 Meter breit sein, sonst besteht die Gefahr der Verschattung durch die Randbäume. Abhilfe kann hier die Astung der Randbäume schaffen, das ist natürlich mit dem Waldbesitzer abzusprechen.

Bei der Ausrichtung sollte auf genügend Lichteinfall geachtet werden. Eine Nord-Süd-Ausrichtung ist durch die längere Sonneneinstrahlung optimal. Bei einer Ost-West-Ausrichtung erhält die Äsung hingegen zu wenig Sonnenlicht. Die so entstehende Schattenäsung wird vom Wild kaum angenommen.

Eine ebene Lage lässt sich besser bewirtschaften und mindert die Gefahr der Bodenerosion durch Wegschwemmen.

Wildacker anlegen

In der Regel wird der Wildacker von einem Landwirt im Auftrag eines Jagdpächters angelegt. Der unter Wildschäden leidende Waldbesitzer kann den Jagdausübenden aber mit „sanftem Nachdruck“ zu einer Neuanlage der zusätzlichen Äsungsflächen bewegen.

Einjährig vs. mehrjährig: Ein Wildacker kann als einjährige Anlage (jährlich neu zu kultivieren) oder als mehrjährige Daueranlage angelegt werden. Je nach Zielsetzung ist dann das entsprechende Saatgut auszuwählen.

Aussaattermin: für die Brache gilt ein Aussaattermin bis 15. Mai, als Wildäsung kann der Wildacker ab 15. Mai bis in den August hinein ausgesät werden.

Anwalzen: Das Anwalzen der Wildackermischung sorgt für einen guten Bodenschluss und hilft gegen Vertrocknen. Ein Wildacker darf nicht gemäht oder gemulcht werden, sonst geht die Winteräsung verloren.

Düngung: Besonders Rehe wählen ihre Nahrung mit Vorliebe nach deren Stickstoffgehalt aus. Die Zugabe von Düngemitteln ist für Schmackhaftigkeit aber natürlich auch für Wachstum und Standfestigkeit der Wildäsungspflanzen sehr entscheidend. Auf eine Düngung kann man nur bei bereits vorhandenen guten Nährstoffwerten des Bodens verzichten. Eine Alternative bzw. Ergänzung ist die Gründüngung in Form von Zwischenfrüchten, die hierfür im Vorherbst gesät werden.

Saatgut: Der Bedarf an Wildacker-Saatmischung je 1.000 m² liegt bei rund 2 – 5 kg. Pro Kilogramm Saatgut fallen Kosten von rund 5,00 EUR an. Die Wildmischungen kann man sich bequem und schnell per Amazon liefern lassen. Eine kleine Auswahl bei Amazon erhältlicher Wildackermischungen:

Wildacker Saatmischung

Die Auswahl der Saatgutmischung muss sich an den vorkommenden Wildarten orientieren. Rehwild bevorzugt beispielsweise ausschließlich Kräuter, Kreuzblütler und Klee. Rotwild hingegen liebt „Raufutter“ wie z.B. Süßgräser oder Getreidearten. Sollen beide bedient werden, empfiehlt sich also eine Mischung aus Gräsern und Klee.

Eine typische Wildackermischung enthält eine bunte Vielfalt an Pflanzsamen. Eine sog. überjährige Mischung ist bestenfalls für alle Wildarten geeignet. Die Pflanzenvielfalt bietet dauerhaft Äsung und auch Deckung (u.a. durch Sonnenblumen, Staudenroggen und Buchweizen). Typische Saatbestandteile einer Wildackermischung:

Für einjährige Wildacker:

  • Blattstammkohl
  • Buchweizen
  • Futtererbsen
  • Futterraps
  • Furchenkohl
  • Hafer
  • Herbstrüben
  • Kartoffeln
  • Lupinen/Süßlupinen (bitterstoffarm)
  • Mais
  • Markstammkohl
  • Senf
  • Serradella
  • Sonnenblumen
  • Stoppelrübe
  • Winterrübsen

Für überwinternde, mehrjährige Wildacker:

  • Blattstammkohl
  • Bockshornklee
  • Buchweizen
  • Esparsette
  • Futterraps
  • Herbstrüben
  • Inkarnatklee
  • Kulturmalve
  • Landsberger Gemenge (Zottelwicke, Inkarnatklee, Welsches Weidelgras)
  • Lieschgras
  • Lupinen (bitterstoffarm)
  • Markstammkohl
  • Ölrettich
  • Perserklee
  • Ringelblumen
  • Rotklee
  • Sonnenblumen
  • Waldstaudenroggen
  • Weidelgras
  • Weißklee
  • Wiesenschwingel
  • Winterwicken
Wildacker Mischung - Bild: Sämereien Jehle

Wildacker Mischung – Bild: Sämereien Jehle

 


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