Die richtige Forstmarkierfarbe zum Auszeichnen und Markieren

Uber 3 Millionen Dosen Forstmarkierfarben werden alleine in Deutschland jedes Jahr verbraucht! Bei der Markierung stehender Bäume werden die Spraydosen genauso eingesetzt wie zur Beschriftung liegender Stämme auf Poltern oder zur Markierung von Grenzsteinen.

Forstmarkierfarbe im Einsatz - Bild: Distein

Forstmarkierfarbe im Einsatz – Bild: Distein

Welche Farbe?

In der Forstpraxis wird am häufigsten mit Rot gekennzeichnet, auf Platz zwei liegt Gelb.

Nicht die Farbe des Försters! Wer seinen eigenen Wald selbst auszeichnen möchte, sollte für seine Forstmarkierfarbe unbedingt einen anderen Farbton als der Förster verwenden. Das hat zwei gravierende Vorteile: erstens kann der Förster mit seiner Farbe die Markierungen des „Berufslaien“ korrigieren und dann im Bedarfsfall der einschlagenden Truppe sagen „meine Farbe gilt!“. Zweitens kann man bei Verwendung einer eigenen, individuellen Forstmarkierfarbe sein Holz auch im größten Holzpolter wiedererkennen.

Harvestereinsatz? Neon! Harvesterfahrer lieben Neon-Markierungsfarben mit hoher Leuchtkraft, denn bei trübem Wetter und in der Dämmerung ist der Blauanteil im Tageslicht höher. Die Neonfarbtöne unter den Forstmarkierungsfarben wandeln durch Fluoreszenzen den blauen UV-Bereich des Tageslichtes in Licht mit größerer Wellenlänge um. Insbesondere die Warnfarben Gelb und Rot werden so vom menschlichen Auge bei gleicher Lichtstärke heller wahrgenommen. Dadurch sind die mit Neonfarbtönen gekennzeichneten Bäume für den Harvesterfahrer deutlicher besser erkennbar. Wer sich nicht ganz sicher ist, ob der Harvesterfahrer nicht vielleicht doch zu den 9% der Männer mit Rot-Grün-Sehschwäche gehört, kann anstatt Neonrot Forstmarkierungsfarbe mit dem Farbton „Neongelb“ verwenden.

Farbpalette Neon-Forstmarkierfarbe - Bild: Distein

Farbpalette Neon-Forstmarkierfarbe – Bild: Distein

Auch bei der Markierung von Grenzsteinen ist eine möglichst intensive Leuchtkraft der Forstmarkierungsfarbe von Vorteil. Neonfarbtöne sieht man im Wald extrem weit und kann so auch aus hundert Meter Entfernung einen markierten Grenzstein oder einen Grenzpfahl anvisieren. Allerdings altern Neonfarbtöne auch etwas schneller.

Langzeitfarbe: Dunkle Farbtöne benötigen kürzere Sprühzeiten um eine Deckung zu erzielen, als helle Farbtöne – sie sind also ergiebiger. Allgemein gilt zudem, dass dunkle Farbtöne alterungsstabiler sind als helle Farbtöne. Für Langzeitmarkierungen, die nicht nur bis zur nächsten Durchforstung, sondern auch noch darüber hinaus sichtbar sein sollen, sind dunkle Farbtöne bzw. die teilweise explizit als Langzeitfarbe (Longlife) vermarkteten Farbtöne daher besser geeignet. Das trifft insbesondere für die dauerhafte Markierung von Rückegassen, Z-Bäumen und Grenzbäumen bzw. Grenzsteinen zu.

Farbpalette Langzeitfarbe - Grafik: Distein

Farbpalette Langzeitfarbe – Bild: Distein

Braune oder schwarze Forstfarbe? Was sich zunächst nach grobem Unsinn anhört, macht immer dann Sinn, wenn Fehler zu korrigieren sind oder Entscheidungen zurückgenommen werden sollen. Schnell einmal hat man bei unklaren Grenzverläufen die Bäume des Nachbarn zur Entnahme markiert. Oder bei der Markierung der Z-Bäume im dichten Unterholz leider übersehen, dass die ausgewählte Fichte einen Zwiesel (Gabelung in der Krone) hat. Dann kann man mit brauner Forstfarbe die alten Markierungen einfach übersprayen.

Soll eine Rückegasse nicht mehr benutzt werden, werden die Markierungen übermalt - Bild: Wald-Prinz.de

Hier hat man sich entschieden, die Rückegasse nicht mehr zu befahren. Mit schwarzer Langzeit-Forstfarbe werden die alten Markierungen übermalt – Bild: Wald-Prinz.de

KWF geprüfte Sprühfarben

KWF logo
Das Kuratorium für Waldarbeit  und Forsttechnik e.V. (KWF) prüft regelmäßig auch Sprühfarben zur Holzmarkierung. Produkte mit positivem Prüfabschluss sind am Prüfzeichen „KWF-TEST“ zu erkennen. Die Prüfanforderungen der Forstmarkierfarbe orientieren sich an den in der Praxis üblichen Bedingungen. Zu einer Übersicht aller Forstmarkierungsfarben mit KWF-Testsiegel geht es hier.

Um eine seriöse Beurteilung der Forstmarkierungsfarben zu erzielen, sind möglichst vergleichbare und reproduzierbare Prüfmethoden erforderlich. Die einzelnen Merkmale werden beim KWF mit technischen Messungen, Laboruntersuchungen und praktischen Einsätzen abgeprüft.

Technische Messungen: Die Einstufung der ermittelten Werte erfolgt nach einem bei KWF-Prüfungen bewährten Schema mit 5-stufiger Notenskala.

  • Abmessungen und Gewicht (im Neuzustand)
  • Restmengenermittlung (nach 20 Sek. Aufschüttelung erfolgt wiederholter  Testzyklus mit 20 x 2 Sek. Sprühen und 2 Sek Schütteln)
  • Betätigungskraft (erforderliche Kraft um vollen Sprühstrahl zu erreichen)
  • Strahlverhalten (aus 30 cm Entfernung wird ein bewegtes Papier besprüht und auf Strahl-Breite, Randschärfe und Streuung/Reflektion des Sprühnebels hin untersucht)
Labortest KWF Sprühfarbe

Technische Messung des Strahlverhaltens von Forstmarkierungsfarbe im KWF Prüflabor; die Dose wird mit einer definierten Geschwindigkeit an einer Prüfkarte vorbeigeführt – Bild: Wald-Prinz.de

Laboruntersuchungen: Die Untersuchungen werden jeweils als Doppelbestimmung durchgeführt.

  • Deckvermögen (s/w-Kontrast, erforderliche Menge die für vollständige Deckung erforderlich ist)
  • Prüfung auf Rinde (Haftung und Deckvermögen bei 0 °C und 40°C mittels Prüfmuster)
  • Klimaeinfluss (künstliche Alterung in der Klimakammer)
  • UV-Bewitterung (künstliche Bestrahlung)
test

Ab wann deckt’s? Das Deckvermögen der Forstmarkierungsfarbe wird mit Hilfe von Testkarten ermittelt – Bild: Wald-Prinz

Praktische Erprobung: Die Grundfarben „rot“ werden in mindestens 5 verschiedenen Einsatzstellen getestet.

  • Anbringung von Strichmarkierungen (an den Baumarten Fichte, Kiefer und Buche)
  • Begutachtung im Zeitverlauf (im Abstand von je ca. 3 Monaten werden die Proben bei unterschiedlichen Lichtbedingungen (Harvestereinsatz) von mindestens 5 Personen besichtigt)
  • Griffsysteme (Test der vom Hersteller zur Verfügung gestellten Griffsysteme, Düsen und Sprühköpfe)

Informationen: Es dürfen keine inhaltlichen Unterschiede zwischen Dosenbeschriftung und Sicherheitsdatenblatt bestehen. Die Informationen müssen verständlich und konkret sein.

  • Dose (gut erkennbare Sicherheitshinweise, Gefahrensymbole und Hinweise zum Gebrauch)
  • Sicherheitsdatenblatt (Überstimmung mit EU-Richtlinie 91/155, vollständige/aktuelle Angaben)

Gesundheitsschutz: Auf der Grundlage des Sicherheitsdatenblattes wird die Rezeptur erfasst und kritische Inhaltsstoffe nach Art und Menge betrachtet.

  • Zubereitung (als „gesundheitsschädlich“ kennzeichnungspflichtige Zubereitung wird nicht anerkannt, „reizende“ Zubereitung führt zu Abstufung)
  • Einzelstoffe (keine BTX-Aromaten, keine sensibilisierenden und/oder hautresorptiv wirkenden Einzelstoffe)

Sinnvolles Zubehör für Forstmarkierungsfarben

Metallsprühgriff für Forstmarkierfarbe - Foto: Distein

Metallsprühgriff für Forstmarkierfarbe – Foto: Distein

Sprühgriff: Ein spezieller Dosen-Sprühgriff aus Metall ist für den „gemeinen Waldbesitzer“ nicht unbedingt notwendig aber sehr praktisch. Stundenlanges Baumauszeichnen und Beschriften von Holzpoltern geht mit diesen Sprühgriffen deutlich leichter und präziser von der Hand. Auch im Winter kann man mit diesen Sprühgriffen mit Handschuhen völlig problemlos arbeiten. Zudem ist die Dose dank des Handgriffs 10 cm weiter entfernt von Lunge und Kleidung.

Gürtelholster für Forstfarben

Gürtelholster für Forstfarben

Gürtelholster: Ein Gürtelholster für die Sprühdose ist unbedingt zu empfehlen. Bei größeren Beständen kann man hier die Ersatzdose einstecken und muss dann nicht mehr den ganzen Weg zurück laufen, sobald die erste Dose leer ist. Aber auch wenn man für andere Arbeiten die Hände frei haben möchte, ist so ein Holster ideal. Denn die Schnittschutzhose ist meist kein geeigneter Ort, die Forstmarkierungs-Spraydose unterzubringen. In die vorderen Hosentaschen passt sie kaum rein und wenn doch ist es eher unangenehm… Die hinteren Gesäßtaschen sind ebenfalls meist zu klein dimensioniert.

Verbissschutz mit Forstmarkierungsfarbe?

Ein heikles Thema.. Offiziell besitzt natürlich keine einzige Forstmarkierungsfarbe die Zulassung als Verbissschutzmittel. Aber unter der Hand wird das Verbissschutzmittel aus der Spraydose als bestens funktionierendes „Hausmittel“ gehandelt – auch wenn es in keinem Forstlehrbuch steht. Die mit Forstfarbe leicht „eingenebelten“ Triebe werden in der Folge vom Rehwild verschmäht. Es scheint wohl nicht mehr so recht zu schmecken…  In unserem eigenen Wald ist das die Maßnahme der Wahl gegen Wildverbiss und – aus unserer höchst subjektiven Sicht – eine gute Alternative zu den verbreiteten Terminaltriebschutzmanschetten oder einem teuren Wildschutzzaun.

Bitte nur parfümieren! In unserem Video erkären wir den Einsatz. Allerdings sind wir im Video mit der Spraydose etwas sehr nah an die Douglasienpflänzchen heran gegangen. Dadurch besteht die Gefahr des Verklebens. Die Triebe sollen auf keinen Fall lackiert werden – eichtes Einnebeln reicht! Es geht schließlich nur um den Geschmack, nicht um die Farbe.

Letzte Suchanfragen, die zu diesem Beitrag führten:

  • forstmarkierfarbe test (1)
  • Gürtelholster für Spraydose (1)
  • holzsprühfarbe (1)
  • kwf test spruhdosen (1)
Stichworte: , , , , ,

10 Kommentare

  1. Ich habe gelesen, das die Markierfarbe, die Triebe von Nadelholz Douglasie und Weißtanne zum absterben bringt.
    Ist das so? Wie sehen die eingesprühten Douglasien heute aus?

  2. Hallo Herr von Kampen,

    @ „Wie sehen die eingesprühten Douglasien heute aus?“: Schöner denn je ;-) Anders als in unserem Video (filmen, quatschen, gehen, sprayen und alles gleichzeitig ist nicht so einfach), gehen wir in der Praxis nicht ganz so dicht ran beim Sprayen. Also nicht die Pflanzen lackieren, sondern einnebeln. Das stecken die Triebe völlig locker weg. Von Absterben kann jedenfalls keine Rede sein.

    LG – der Wald-Prinz

  3. Hallo,

    ich habe zweijährige Buchen, Birken und Ahornbäumchen angepflanzt und mit Drahthosen versucht zu schützen. Die Hasen, Kanninchen ziehen die Drahthosen einfach hoch oder beißen durch diese durch.
    Anschließend ziehen sie dem Stämmchen die ganze Haut ab oder beißen diese ganz durch. Kann man diese
    Bäumchen auch einfach mit Forstfarbe einnebeln also das Stämmchen und die Triebe, Blätter oder sollte man hier auf die gängigen Mittel wie z.B. Arbinol zurückgreifen.
    Vielen Dank für eine Antwort

    Grüße
    Franzi

  4. Hallo Franzi,

    erst einmal unser herzliches Beileid, dass selbt Drahthosen bei Ihnen nichts nützen. Melden Sie diesen Wildschaden bitte offiziell an, auch wenn Sie ihn nicht unbedingt erstattet haben wollen. Wir zwingen den jeweiligen Jagdpächter so regelmäßig zu einem Ortstermin. Einfach um einmal Dampf abzulassen und vor Ort auf die Problematik hinzuweisen. In der Regel fehlt den Grünröcken zunächst jegliches Verständnis für die Waldbesitzer und sie denken, man will sie nur „melken“.

    @ Forstmarkierungsfarbe: ganz ehrlich – wir haben nur Erfahrung mit dem Einnebeln der jungen Triebe. Dort hilft diese Methode recht gut gegen Verbiss. Aber gegen Fegen (Rehbock) hat es uns z.B. nicht geholfen. Wenn der Wildschaden bei Ihnen tatsächlich durch Hasen (Karnickel dürften es eher nicht gewesen sein) verursacht wurde, hat es tatsächlich mit Nahrungsaufnahme zu tun. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Forstfarbe dann funktioniert. Sie versaut ja den Geschmack. Versuch macht kluch!

    LG – der Wald-Prinz

  5. Hallo, habe eine 3m hohe Thuyahecke. Leider gibt es einige braune Stellen! Kann man die Zweige mit Forstmarkierfarbe grün einsprühen? Hält die Farbe und ist sie nicht schädlich? DANKE für Ihre Remail!
    Schöne Grüße
    Volker Krümmer

  6. Hallo Herr Krümmer,

    einmal vorausgesetzt Ihre Frage war ernst gemeint… Ein Jahr etwa hält die Farbe. Schädlich ist relativ. Denn einerseits sind es ja schon braune Stellen, was wollen Sie da nocht groß falsch machen. Andererseits verschließen Sie mit der Farbe beim Besprühen der Thuja die noch gesunden schuppenförmigen Blätter. Gut tut denen das nicht. Die Farbe ist ja zum Markieren von Stämmem gedacht.

    LG – der Wald-Prinz

  7. Danke für die Information zum Verbissschutz. Ich werde es auch mit der Farbe probieren.

    Gibt es eine bestimmte Farbe von einem bestimmten Hersteller, die sich als besonders hilfreich als Schutz vor Wildverbiss erwiesen hat? Wie weit komme ich mit einer Dose Farbspray in etwa?

    Gruß

    Karl

  8. Hallo Karl,

    @ „Gibt es eine bestimmte Farbe von einem bestimmten Hersteller“: Wir haben keine Testreihen angestellt. Wir benutzen jedenfalls immer die „Woodmarker Harvest Pro“ in neonpink und beziehen die über Grube.de. Diese Forstmarkierungsfarbe ist günstig und gut und in der pinken Farbe unterscheiden wir uns immer von den Markierungen des Försters (der meist rot und blau verwendet).

    @ „Wie weit komme ich mit einer Dose Farbspray“: Sehr weit! Anders als beim Auszeichnen von Bäumen genügt ja ein kurzer Farbstoß (Abstand halten!). Eine Doose ist locker für mehrere Hundert Stöße gut. Auf keinen Fall den Baum lackieren sondern in ein wenig „einnebeln“. Es reicht völlig aus, wenn er Farbnebel auf den Zweigen liegt. Dann schmeckt es den Rehen schon nicht mehr.

    LG – der Wald-Prinz

  9. Funktioniert dies auch bei Laubbäumen?

  10. Hallo „Ossi Franz“,

    @ Funktioniert dies auch bei Laubbäumen?: Na klar!

Schreib einen Kommentar

Please note: comment moderation is enabled and may delay your comment. There is no need to resubmit your comment.