Balkonkraftwerk mit Holzlager kombiniert

Am Wald-Prinz Stammsitz in Bonn haben wir bereits seit mehreren Jahren zwei einzelne Solar-Panels installiert. Diese Mini-PV-Anlagen werden gemeinhin auch Balkonkraftwerke genannt. Wir sind fasziniert von der Einfachheit dieser Lösung (Plug&Play, kein Elektriker im Spiel, sofort nachhaltig erzeugter Strom). Im Idealfall deckt man mit nur zwei Solar-Panels die Grundlast an Strom in einem Haushalt ab. Eine echte Demokratisierung der Energie. Und weil wir nun mal der Wald-Prinz sind, haben wir gleich zwei gute Dinge miteinander verheiratet: ein Balkonkraftwerk und ein effizientes Holzlager. Aus unserer Sicht „das Ei des Kolumbus“.

Perfekte Lösung: Das Holzlager mit Solardach

Die ideale Kombination: Balkonkraftwerk bestehend aus zwei Solarmodulen als Dach für ein Holzlager. Im Hintergrund die Einspeisung ins Hausnetz via Außensteckdose – Bild: Wald-Prinz.de

Ein Balkonkraftwerk sturmsicher und optisch verträglich am Balkon oder gar auf dem Dach zu installieren und dann mit dem Hausstromnetz zu verbinden, ist nicht trivial. Wir haben nach einer Möglichkeit gesucht, diese sensationell einfache Möglichkeit selbst Strom zu produzieren, möglichst pragmatisch und ohne die Fallstricke einer schwierigen Installation zu bewerkstelligen.

Unsere Lösung ist die Kombination von einem Holzlager und einer Mini-PV-Anlage für die Steckdose. Die Vorteile:

  • Standortwahl frei von baulichen Gegebenheiten bzw. Verschattung
  • Optimale Ausrichtung der Module möglich (Osten + Westen ist ideal), dadurch optimaler Stromertrag
  • Leichte und sichere Montage
  • Gute Reinigungsmöglichkeit
  • Gute Zugänglichkeit der Komponenten
  • Einfacher Anschluss an das Hausnetz (Außensteckdose)
  • Optimale Holztrockung
  • Optisch ansprechende Lösung
  • Minimaler Kostenaufwand

Zwei monokristalline Module mit hoher Nennleistung

Die Panels von JA Solar besitzen sehr gute Werte, waren günstig und – wichtig – in kleinen Stückzahlen verfügbar – Bild: Wald-Prinz.de

Nennleistung > 300 Watt: Wenn ohnehin nur zwei Module zum Einsatz kommen, sollten diese eine hohe Nennleistung besitzen. Da landet man automatisch bei monokristallinen Modulen die gegenüber polykristallinen Modulen genau die geforderte höhere Nennleistung besitzen.

Chinesische Module – leider: Wir haben uns für zwei Module des chinesischen Anbieters JA Solar entschieden (JAM60S17-325/MR). Das war nicht unsere erste Wahl. Lieber hätten wir Module von z.B. ALEO Solar (z.B. das Aleo X83 Premium) verwendet, die aus deutscher Produktion stammen. Hier wird bereits im energieintensiven Herstellungsprozess Ökostrom eingesetzt. Aber die Verfügbarkeit dieser Module ist bei kleinen Stückzahlen sehr schlecht. Von der Optik, dem stabilen Alurahmen und der Leistung her können wir den JA Solar-Modulen kein schlechtes Zeugnis ausstellen. JA Solar ist sicher auch kein Nobody. Das chinesische Unternehmen ist die Nummer 3 unter den weltweit größten Solarmodul-Produzenten.

Schwachlichtverhalten: das Schwachlichtverhalten von Solarmodulen ist gerade in Deutschland sehr wichtig. Denn in unseren Breitengraden werden etwa 60 Prozent der Energie bei Schwachlicht produziert. Grundsätzlich weisen monokristalline Module ein besseres Schwachlichtverhalten als polykristalline Module auf. Und da sie einen höheren Wirkungsgrad als polykristalline Module besitzen, produzieren sie auf gleicher Fläche in Summe deutlich mehr Strom.

Optik: Durch die charakteristisch dunkelblaue bis schwarze Färbung (polykristalline Module sind eher bläulich) besitzen monokristalline Photovoltaikmodule eine edlere Optik. Je nach Anbringung werden sie gar nicht als Solarmodule wahrgenommen.

Wirkungsgrad contra Aufheizen: Einen Nachteil hat die dunklere Farbe der monokristallinen Module aber – sie heizen sich im Sommer durch die Sonneneinstrahlung sehr stark auf. Bei zunehmender Temperatur sinkt die Leistung des Modules jedoch wieder. Daher erzielt man mit monokristallinen Modulen im Mai einen höheren Ertrag, als im Juli. Auch aus diesem Grund empfehlen wir NICHT eine Ausrichtung nach Süden.

Perfekte Ausrichtung Ost + West: früher, als die Einspeisevergütung noch 30-40 ct/kWh betrug, wurden die Panels nach Süden ausgerichtet. Nur der maximale Stromertrag zählte. Die Denkweise bei einem Balkonkraftwerk ist eine andere. Das Ziel ist die bestmögliche Unterstützung des Haushalts-Eigenverbrauchs. Dazu ist es ideal, wenn der Stromertrag über den geamten Tag hinweg zur Verfügung steht. Der Einsatz von zwei Modulen, von denen eins nach Osten und eins nach Westen ausgerichtet wird, ist daher ideal. So hat man von morgens bis abends Sonne, in der Mittagszeit produzieren beide Module Strom, sind aber eben nicht thermisch ungünstig nach Süden ausgerichtet.

Zwei Solar-Panels, eins nach Osten, eins nach Westen, sind optimal um den ganzen Tag über durchgängig Strom für den Eigenverbrauch zu produzieren. Achtung: die linke Skala sind Wh (Strommenge) nicht Watt (Leistung)! Unser Balkonkraftwerk hat bereits im März 280-300 Watt geleistet – Grafik: Fritz.box / Wald-Prinz.de

Transportkosten beachten: Beim Preisvergleich muss man unbedingt die Transportkosten mit einbeziehen. Am besten bestellt man im Verbund mit mehreren Freunden und teilt sich dann die Speditionskosten. Ob auf der Palette zwei oder sechs Module stehen, ist dem Spediteur recht egal. Ob sich die Speditionskosten von ca. 60 € auf zwei oder sechs Module aufteilen, ist den Kunden aber nicht egal.

TIPP: um sich die Speditionskosten der Solarmodule zu sparen und gleichzeitig lange Lieferfristen zu umgehen, empfiehlt sich ein Blick in Ebay Kleinanzeigen. Oft befindet sich ein Händler in der Nähe, bei dem man die Solar-Panels mit einem großen Kombi direkt abholen kann. Man muss beim Transport allerdings bedenken, dass man eine große Glasscheibe transportiert. Ein Anhänger ist vielleicht nicht die beste Wahl…

Solarmodule und Wechselrichter kann man übrigens separat bei unterschiedlichen Anbietern beziehen. Während die Solarmodule immer per Spedition geliefert werden und meist Lieferzeit haben, kommen die Wechselrichter ohne Lieferzeit per Paketdienst. Dank standardisierter Anschlüsse passt dann doch alles problemlos zusammen.

Stecker in die Steckdose – Strom! Es ist fast zu schön um wahr zu sein. Genau vier Stecker sind ineinander zu stecken, dann fließt der selbst produzierte Strom. Auf der Rückseite (je)des Solar-Panels befinden sich lediglich zwei Anschlüsse. Da Photovoltaik-Module immer Gleichstrom erzeugen, handelt es sich um einen Plus- und einen Minus-Anschluss, zumeist sog. MC4-Steckverbindungen. Die werden direkt in einen Micro-Wechselrichter gesteckt. Durch die genormten Stecker kann man nichts verkehrt machen. Der Wechselrichter wandelt den Gleichstrom (DC) dann in 230V Wechselstrom (AC) um. Der Ausgang des Wechselrichters ist wiederum ebenfalls standardisiert. Das passende Anschlusskabel wird dann zu guter Letzt in die nächste Steckdose des Hausnetzes gesteckt. Das war’s. Ab dann wird selbst Strom erzeugt.

Ideales Holzlager: sonniger Platz, gut durchlüftet

Geringe Fläche, hohes Volumen: Unser „Solarturm“ besitzt eine Grundfläche von 1,40 x 1,40 m. Durch die Höhe von 2,00 m passen insgesamt vier Schüttraummeter Holz in den Turm!

Wasser muss weg: ein Festmeter frisches Buchenholz besitzt ein Gewicht von – je nach Einschlagzeitpunkt – 1.000-1.200 kg. Das Darrgewicht von Buche (0% Feuchte) liegt hingegen bei etwa 680 kg. Jetzt muss Brennholz nicht restlos trocken sein, aber je trockener, desto besser (Heizwert, saubere Verbrennung). Wenn man sich einmal vor Augen führt, dass aus einem Festmeter Buchenholz zwei Badewannen voll Wasser raus müssen, wird schnell klar, wie ein ideales Holzlager auszusehen hat.

Nicht jeder hat den Platz für so ein zum Holzlager umgewidmetes Treibhaus. Aber dieser Landwirt am Bodensee hat nach einem Jahr trockenes Holz. Die warme Luft, die durch das Treibhaus zieht, nimmt die Feuchtigkeit des Holzes mit. Quasi eine Solar-Trockenkammer – Bild; Wald-Prinz.de

Schnelle Trocknung: Sonne, Luft und eine gute Abdeckung gegen Regen ist das Geheimnis einer schnellen Brennholz-Trockung. Wer sein Holz fein säuberlich direkt an eine Hauswand, möglichst dicht an dicht aufschichtet, muss sich nicht wundern, wenn das Holz eher stockig wird, anstatt zu trocknen. Holz fein säuberlich zu stapeln macht nur Sinn, wenn das Holz bereits trocken ist, der Platz zur Lagerung knapp ist und man Langeweile hat.

Luft! So wie man mit einem Fön die Haare viel schneller trocknen, als in der Sauna, so geht alles viel schneller, wenn das Holz von Luft umstrichen wird, die die Feuchtigkeit mitnehmen kann. Auf den Boden unseres Holzlagers haben wir daher eine Palette gelegt. Durch die Seitenwände und bedingt durch die Schüttung der Scheite (mit vielen Zwischenräumen) kann die Luft wunderbar durch das Holz ziehen. Geschüttetes Holz trocknet grundsätzlich deutlich schneller, als gestapeltes. Der sonnige Platz und die Abdeckung der Solarpanels tun ihr übriges.

Material: für unseren Solarturm haben wir in weiten Teilen eigenes Holz verwendet. Nur die Einschlagbodenhülsen (71 x 71 x 750 mm) und die Pfosten (Rahmenholz, 200 x 5,8 x 5,8 cm, Fichte/Tanne, Sägerau) haben wir aus dem Baumarkt bezogen. Die sägerauhen Fichten-Bretter flammen wir traditionell mit dem Gasbrenner (nicht zimperlich sein!). Damit haben wir die allerbesten Erfahrungen hinsichtlich Haltbarkeit und Optik gemacht.

Für das Holzlager haben wir sägerauhe Bretter „aus eigenem Wachstum“ verwendet. Im Bild sind zwei Elemente noch vor dem Flammen zu sehen – Bild: Wald-Prinz.de

Keine Wissenschaft draus machen! Aus der Konstruktion des Holzlager-Turms muss man keine Wissenschaft machen. Wichtig ist allein die Stabilität der Konstruktion. Also weder an ordentlich dimensionierten Schrauben sparen (wir haben Torx-Schrauben Ø x L: 4,5 x 70 mm mit Bohrspitze verwendet). Noch an verzinkten Winkeln sowie Holzverstrebungen zur Stabilisierung. Wir haben uns bewußt gegen eine Türe/Klappe zur Entnahme des getrockneten Holzes entschieden. Das verursacht nur unnötigen Aufwand und geht zur Lasten der Stabilität. Denn man sollte nicht unterschätzen, wie stark drei Schüttraummeter frisches Buchenholz gegen die Konstruktion drücken. Wenn das Holz trocken ist, werden wir einfach drei der unteren Bretter abschrauben. Das dauert keine Minute.

Der Holzturm während des Zusammenbaus. Eine Zug- und Kappsäge ist beim Bau des Holzlager-Turms von Vorteil, aber keine Notwendigkleit – Bild: Wald-Prinz.de

TIPP: Man sollte sich das Leben nicht selbst schwer machen und beim Zusammenbau eine sinnvolle Reihenfolge wählen:

Winkelverbinder zur unteren Auflage der Solar-Panels – Bild: Wald-Prinz.de
  • Zunächst die Wechselrichter z.B. mit je zwei Schloßschrauben (M8) an die Querstreben montieren. Bitte auch hier nicht an den Schrauben sparen. Die Wechselrichter sind je 3,0 kg schwer und haben nur an einer Seite Befestigungs-Augen. Hier entsteht also ein Hebel.
  • Im nächsten Schritt auf jeder Seite je zwei Winkelverbinder montieren, auf denen die Panels aufliegen werden. Hier muss allerdings wirklich exakt gearbeitet werden, damit die beiden Solarpanels im First keine Lücke bilden. Also am besten mit einem Helfer arbeiten, damit das unhandliche Solarpanel (1,70 m x 1,00 m) keinen „Abgang“ macht. Die Winkel dürfen nicht zu kurz sein (wir haben L x B x H: 50 x 40 x 160 mm verwendet), denn an dieser Stelle ist noch am ehesten Wasser im Spiel und läßt die Balkenenden faulen. Also auch hier eher auf Nummer sicher gehen.
  • Die Solarpanels selbst haben wir mit vergleichsweise wenig Schrauben gesichert. Die Winkelverbinder, auf denen die Panels aufliegen, haben wir mit jeweils einer einzelnen Schraube mit dem Alu-Rahmen der Solarpanels verbunden. Oben im First haben wir die Panels direkt miteinander verbunden. Auch hier mittels einem kleinen verzinkten Winkel und selbstschneidender Schrauben, die wir direkt in den Alu-Rahen des Panels eingesetzt haben.
  • Dann alles verkabeln und die Funktion testen. Wenn alles richtig funktioniert, blinken die AEconversion Wechselrichter gemächlich grün.
  • Erst dann den Holzlager-Turm zu Ende bauen und mit Holz befüllen. Wenn man zu voreilig den Turm zu Ende baut und gar schon mit befüllt, kommt man nicht mehr gut an die Komponenten des Balkonkraftwerks heran.
Die beiden Wechselrichter wurden geschützt unter dem jeweiligen PV-Modul montiert und direkt per Plug&Play angeschlossen – Bild: Wald-Prinz.de

Nicht sparen beim Micro-Wechselrichter!

Micro-Wechselrichter vs. String-Wechselrichter: Ein Wechselrichter wandelt die gewonnene Energie in netzkonformen Wechselstrom um. Im Falle eines Balkonkraftwerks wird jedes Photovoltaikmodul mit einem eigenen, sog. Micro-Wechselrichter verschaltet. Dadurch ist der Gesamtertrag gegenüber einer Anlage mit String-Wechselrichter (ein Wechselrichter für eine Reihe von Modulen) deutlich höher. Denn beim String-Wechselrichter gibt das schwächste Modul die Leistung aller Module vor. Das gleiche Solarmodul erreicht also in einer großen Photovoltaik-Anlage nicht die gleiche Leistung wie bei Anlagen mit Micro-Wechselrichtern. Denn dann arbeiten die Module unabhängig voneinander und garantieren den höchsten Ertrag. Dies ermöglicht die optimale Ausnutzung der Sonnenenergie.

Keine hohe Spannung: Zudem besteht eine erhöhte Sicherheit. Da an jedem einzelnen PV-Modul nur eine kleine Menge Gleichstrom (max. 60 V) in netzkonformen Wechselstrom umgewandelt wird, besteht keine Gefahr durch hohe String-Spannungen (in herkömmlichen PV-Anlagen bis zu 600 V).

Wir haben zwei Micro-Wechselrichter Micro-Wechselrichter INV350-60 von AEconversion eingesetzt. In die linken beiden Stecker werden die Kabel des Solar-Panels eingesteckt, der rechte sog. Wieland-Stecker ist der Ausgang in Richtung Hausstromnetz. Am anderen Ende des Kabels ist dann ein herkömmlicher SchuKo-Stecker – Bild: AEconversion

Achtung: Nicht jedes Modul kann an jeden Micro-Wechselrichter angeschlossen werden. Beide Komponenten müssen leistungsmäßig aufeinander abgestimmt sein. Für unsere beiden monokristallinen 320 Watt-Module haben wir uns für zwei AEconversion Micro-Wechselrichter INV350-60 entschieden. Sie arbeiten bis zu einer Modul-Leistung von 350W und mit einer maximalen PV-Eingangsspannung von 60V. Einer dieser AEconversion kostet rund 250-270 € und ist damit tatsächlich die teuerste Komponente des Balkonkraftwerks.

Qualität vs. Elektroschrott: Sicher geht das auch billiger. Bei Ebay werden Wechselrichter für nur rund 140 € angeboten. Aber hier halten wir und an den Rat von „Mr. Energiewende“, Holger Laudeley, der schon diverse Wechselrichter im Dauerbetrieb getestet hat. Seine glasklare Empfehlung für ein Balkonkraftwerk ist entweder der o.g. AEconversion INV 350-60 oder ein Envertech EVT300. Wir können dem nur zustimmen.

Wer billig kauft, kauft mehrfach: kleine Anekdote – ein Nachbar, der unser Projekt interessiert verfolgt hat, meinte: „ich habe recherchiert, das bekomme ich viel billiger hin“. Sein erster chinesischer Micro-Wechselrichter sprang gar nicht an. Der zweite funktionierte an manchen Tagen, an anderen fuhr er einfach nicht hoch. Entnervt landete er dann bei einem Envertech. Seitdem ist Ruhe. Auch unter dem Gesichtspunkt der Stromausbeute lohnt es sich, in ein Markengerät zu investieren. Ein qualitativ hochwertiger Micro-Wechselrichter holt aus einem Panel das Maximum an Leistung heraus.

Reicht nicht ein einziger Wechselrichter? Wenn man zwei Module verwendet, die eine unterschiedliche Ausrichtung besitzen, muss man zwingend auch zwei Micro-Wechselrichter verwenden. Leider. Nur wenn beide Module gleich ausgerichtet sind (gleiche Neigung, gleiche Himmelsrichtung, keine Gefahr der Teilverschattung), kann man einen einzigen, dann aber größeren Wechselrichter verwenden (z.B. AEconversion INV500-90EU oder Envertech evt560).

Das ist die richtige Buchse, um das 230V-Kabel mit dem Wechselrichter zu verbinden – Bild: Wieland

Wieland-Stecker dabei? Wichtig bei der Bestellung des Micro-Wechselrichters ist darauf zu achten, dass der Wechselrichter nicht „nackt“ sondern inkl. des passenden sog. Wieland-Steckers geliefert wird. Bei scheinbar günstigeren Angeboten fehlt dieser Stecker oft. Das ist super ärgerlich weil es diesen Stecker (eigentlich ist es eine Buchse) in keinem Baumarkt gibt. Online fällt bei dem 5 €-Teil dann der separate Versand an, dann kostet so eine Buchse schon 10 €. Zudem ist es nicht ganz einfach, tatsächlich den richtigen Stecker aus der Reihe möglicher Wieland-Stecker zu erwischen. Dann bestellt man anstatt der „Mutter“ (um genau zu sein „Buchse RST20i3“) , den „Vater (Stecker). Das ist dann erneut ärgerlich, weil eigentlich alles fertig ist, man kann aber trotzdem nicht zu Ende verkabeln.

Fertige Anschlussleitung mit Wieland-Buchse RST20i3 zum Anschluss an den Wechselrichter und Schuko-Stecker zum Anschluss an das Hausnetz – Bild: Wieland

Verbindung Wechselrichter-Hausnetz: Um den Ausgang des Wechselrichters mit dem Stromnetz zu verbinden, benötigt man ein Kabel das auf der einen Seite die oben beschriebene Wieland-Buchse besitzt. Und auf der anderen Seite sollte es ein herkömmlicher SchuKo-Stecker für den Außenbereich (IP44 spritzwassergeschützt) sein. Dieses Kabel kann man als fertige Wieland-Anschlussleitung bestellen, oder eben selbst anfertigen. Wer schon einmal eine Lampe angeschlossen hat, bekommt das spielend hin. Die Wieland-Buchse liegt meist dem Wechselrichter bei (bei der Bestellung unbedingt darauf achten). Dann benötigt man nur noch ein kleines Stück Kabel und einen SchuKo-Stecker für den Außenbereich. Alternativ kann man im Wieland-System bleiben. Dann installiert man sich eine sog. Wieland Einspeisesteckdose RST20i3 (Unterputz Steckdose) für Balkonkraftwerke mit Stecker. Kleines Manko dieser Lösung: man kann in diesem Fall keine Zwischensteckdose zur Stromertragsmessung (s.u.) nutzen.

2-Wege 10m Verlängerungskabel für Outdoor – Bild: EMOS

Anschluss zum Hausnetz: Der Weg von den beiden Wechselrichtern zur nächsten Außensteckdose ist bei jedem unterschiedlich. Bei uns hat ein sich ein 10 m Verlängerungskabel für den Außenbereich mit zwei Schuko-Steckdosen angeboten. So kann man die beiden Ausgänge aus den Wechselrichtern (je ein Wechselrichter pro Panel) direkt mit dem Verlängerungskabel verbinden und das Ganze ist auch noch geschützt unter dem Dach des Holzlagers. Wichtig ist auch hier ein ordentlicher Kabelquerschnitt (1,5 mm²), eine gute Gummiisolierung und ein Spritzwasserschutz von mindestens IP44.

Keine Angst vor Stromschlag: Im ersten Moment ist das übrigens etwas befremdlich, dass man einen Stecker mit zwei freiliegenden Polen benutzt, um den selbst erzeugten Strom einzuspeisen. Aber keine Panik, auch wenn die Sonne auf die Panels scheint, liegt an dem Stecker definitiv kein Strom an! Damit der Wechselrichter arbeiten kann, benötigt er die Netzspannung bzw. die 50 Hz-Frequenz unseres 230 V-Wechselstroms. Erst wenn der Stecker mit dem Hausnetz verbunden ist, synchronisiert der Wechselrichter sich mit dem Stromnetz und fährt schrittweise hoch. In dem Moment, wo man den Stecker aus der „Einspeise-Steckdose“ zieht, schaltet der Wechselrichter innerhalb einer Millisekunde ab und es fließt kein Strom mehr. In einem YouTube-Video zieht Holger Laudeley den Stecker aus der Steckdose und hält ihn sofort danach an seine Zunge. Natürlich passiert nichts.

Zwei Module? Lohnt sich das denn überhaupt?

Schnelle Antwort: Für den Geldbeutel definitiv und für die Umwelt sowieso.

Wir sammeln mit einer identischen Anlage bereits seit über zwei Jahren Erfahrungswerte. Bei gleicher Ausrichtung haben wir hier in den letzten 12 Monaten 465 kWh erreicht. Macht bei einem Strompreis von 30 ct/kWh eine Ersparnis von 135 €/Jahr.

Die ersten Werte unseres „Solar-Turms“ sind sogar noch besser, als die unserer älteren, auf dem Dach installierten Anlage. Leistungs-Werte von über 400 Watt sind keine Seltenheit. Zur Veranschaulichung: eine große Liebherr Kühlgefrierkombination hat – wenn sie läuft – eine Leistungsaufnahme von etwa 280 Watt, ein 55 Zoll Samsung Fernseher 100 Watt, ein 600 lm LED-Leuchtmittel nimmt 6,5 Watt auf. Wenn das Balkonkraftwerk an einem Frühlingsmorgen die Arbeit aufnimmt, stehen schnell 100 Watt zur Verfügung. Damit kann man ein ganzes Haus mit 15 LED-Lampen hell erleuchten!

10:00 morgens an einem diesigen Tag im Mai. Durchgängig zwischen 260-270 Watt. Damit laufen zwei Rechner inkl. Bildschirme, alle StandBy-Geräte usw. „zu Null Euro“. Die Grafik stammt aus unserer Fritz! Box in Verbindung mit einer Fritz! DECT Steckdose – Screenshot: Wald-Prinz.de

Die Kosten: hier müssen wir vorausschicken, dass wir die Solarpanels und die Wechselrichter noch vor dem Angriff von Rußland auf die Ukraine gekauft haben. Danach sind sowohl die Preise, als auch die Lieferzeiten in die Höhe geschossen:

  • 2 Panels JA Solar Typ JAM60S17-325/MR inkl. Versand (Sammelbestellung von 6 Panels) – 280,00 € (140 €/Panel)
  • 2 Wechselrichter AEconversion INV 350-60 – 500,00 € (250 €/Wechselrichter)
  • 2 Schuko-Stecker IP44 – 8,00 €
  • 1 Verlängerungskabel mit Doppelbuchse – 15,00 €
  • Summe: 803,00 €

Unsere Beispiel-Anlage amortisiert sich also bereits nach 6-7 Jahren (bei den aktuellen Strompreisen). Unabhängig davon gibt uns unser Solar-Holzlager ein sehr gutes Gefühl. Unten trocknet das eigene Holz, oben wird der eigene Strom produziert.

Stromnutzung angepasst: Falls die Solarpanels zu einem Zeitpunkt mehr Strom erzeugen, als im Haushalt verbraucht wird, speist man ein (ohne dass man dafür eine Vergütung erhält). Damit man das möglichst vermeidet, sollte man die Stromnutzung optimieren. So lassen wir beispielsweise unseren Geschirrspüler nicht mehr wie früher nachts laufen, sondern stellen ihn erst am Morgen an. Die Waschmaschine läuft vorzugsweise um die Mittagszeit. Wenn die Sonne besonders gut scheint, machen wir uns einen Spaß daraus und produzieren Eiswürfel „auf Halde“;-)

Smarte Steckdose Fritz DECT 210 zur Messung der Stromproduktion

Nicht jedes Strommessgerät geeignet: Viele herkömmliche Strommessgeräte sind nicht in der Lage, Strom in beide Richtungen zu messen. Man kann den entnommenen Strom messen, bei eingespeisten Strom versagen die Geräte aber meist. Zudem stehen bei einem Strommessgerät keine Statistik-Daten im Zeitverlauf zur Verfügung. Die mit Abstand beste Lösung, um die Leistung seines Balkonkraftwerks zu messen kommt von AVM und heißt Fritz! DECT 200 bzw. 210.

Intelligente Steckdose zur Strommessung: Zur Leistungsmessung setzen wir eine sog. intelligente Steckdose von AVM ein, in die wir zwischen die Panels und das Hausnetz gesteckt haben. Im Zusammenspiel mit unserer Fritzbox! haben wir so alle erdenklichen Daten auch im Zeitverlauf zur Verfügung. Die Fritz! DECT 210 verfügt über einen Spritzwasserschutz (IP44) und ist damit für den Betrieb im Außenbereich geeignet. Wer keinen Spritzwasserschutz benötigt, weil die Steckdose zur Einspeisung in das Hausnetz im Innenbereich positioniert ist, kann die etwas günstigere Fritz! DECT 200 nehmen.

Fritz! DECT 210 intelligente Steckdose zur Leistungsmesung unseres Balkonkraftwerks – Bild: AVM

Einrichtung per Tastendruck: Die Einrichtung ist wirklich ein Klacks. Einfach die Fritz! DECT 210 zunächst in der Nähe des Routers in eine x-beliebige Steckdose einstecken. Dann gleichzeitig sowohl an der Steckdose, als auch am DSL-Router die DECT-Taste drücken. Nachdem das Blinken an beiden Geräten beendet ist, sind Steckdose und Router per DECT miteinander verbunden. Nun kann man die intelligente Steckdose ausstecken und an den endgültigen Platz wieder einstecken. Dann das Stromkabel der Panels einstecken. Fertig.

Wenn man sich die Smart Home-App von AVM aufs Handy lädt, kann man den augenblicklichen Stromertrag sehen. Will man mehr Infos haben, muss man sich auf die Oberfläche des Routers begeben. Dazu fritz.box in den Internetbrowser eingeben, sich mit seinen Zugangsdaten einloggen und dann im Menüpunkt „Smart Home“, Geräteverwaltung die Steckdose auswählen.

– Grafik: Fritz!Box

DECT-Reichweite: Anders als WLAN besitzt DECT von Haus aus eine solide Reichweite. AVM gibt für die Fritz! DECT 210 eine Funkreichweite von bis zu 300 Meter im Freien und bis zu 40 Meter in Gebäuden an. Wir haben an zwei unterschiedlichen Standorten keinerlei Schwierigeiten.

Die Energieauswertung zeigt eine Reihe an Werten an: aktuelle Leistung (Wirkleistung), aktuelle Spannung und Strom, Verbrauch pro 15 Minuten, Tag, Monat, Jahr in kWh, Euro, CO2-Ausstoß.

Die Fritz! Box liefert in Kombination mit der DECT 210 eine Reihe an Statistikdaten insbesondere im Zeitverlauf – Bild: Wald-Prinz.de

Ist das überhaupt zulässig?

Die schnelle, kurze Antwort: Ja, die selbst durchgeführte Installation und Inbetriebnahme eine sog. Balkonkraftwerks ist rechtlich in keinster Weise zu beanstanden.

Die ausführliche Antwort finden Sie auf den Seiten von „Mr. Energiewende!, Herrn Dipl. Ing. & Elektromeister Holger Laudeley. Balkonkraftwerke wurden im Jahre 2001 von Laudeley in der Firma Laudeley Betriebstechnik erfunden. Er besitzt in diesem Bereich die mit Abstand größte Kompetenz und hat die rechtlichen Aspekte ganz hervorragend zusammengestellt. Wir können nur jedem seine YouTube-Videos empfehlen. Seine Ausführungen versachlichen jede Diskussion insbesonder im Bereich Photovoltaik.

Markstammdatenregister Anmeldung: Eine Anmeldung im von der Bundesnetzagentur geführten Marktstammdatenregister (MaStR) ist rechtlich tatsächlich notwendig. Das MaStR ist das Register für den deutschen Strom- und Gasmarkt. Darin sind u.a. die sog. Stammdaten von PV-Anlagenbetreibern – und sei sie auch noch so klein – zu registrieren. Aber keine Bange, die Anmeldung und die Registrierung der Daten geht schnell und unkompliziert.